Mittwoch, 29. April 2009

mein lieblingshutong: nanluoguxiang

gerne hätte ich meinen sonntag nachmittag mit einem buch in einem der cafés dort verbracht. oder shoppend in einem der netten läden . ..(fiel alles leider aus, das wochenende hab ich mich allerlei krämpfen im bett verbracht).


ich bin jedenfalls oft dort, in der NANLUOGUXIANG und die recherche war die ideale gelegenheit, selbst während der arbeitszeit auf einer sonnigen dachterasse zu sitzen....



ein bisschen erstaunt war ich schon- an dem text wurde nichts verändert, gar nichts. kein wort. es gab aber auch kein feedback. gar nichts. kein wort. die beiden jungs erleben bei ihrem "medienbotschaften" da ganz andere szenen. merkwürdig.

Freitag, 24. April 2009

don`t be evil..



lautet bekanntlich firmenspruch des kalifornischen imperiums.

google verhält sich nach unseren vorstellungen allerdings ganz und gar nicht so harmlos, sondern mutet mit seinen welteroberungs-plänen wie der teufel in person an. wissen wir ja alle. sogar die elektronische postverkehr via gmail wird abgescannt und passend dazu die werbung platziert, ungeheuerlich, wo bleibt denn da der datenschutz& trallala.

nun musste ich gezwungermaßen schon an tag 2 in der redaktion einen
gmail-account
einrichten, was mir so gar nicht passte. aber im verlag wird eben gerne per google-chat kommuniziert, also legte ich mir die passende adresse zu und schrie innerlich auf, als ich die zu erwartende werbung erblickte.

um auf china zu kommen und damit einen kleinen szene aus den blogger-interviews aufzugreifen: ich saß ganz schön verduzt da, als mir beide blogger erzählten, dass sie so ziemlich alle google-tools nutzen, die es gibt. vom kalender, über den feed-reader hin zum mail-postfach. passt doch gar nicht, google ist doch der daten-teufel schlechthin und daten sammeln in china, das muss doch extra böse sein?

passt doch. michael anti hat mir die erklärung gegeben....
ich fragte ihn zum abschluss des gespräches, welche ethik er sich denn nun von westlichen firmen wünscht, die in china investieren.
zur erinnerung: microsoft sperrte seinen blog 2005, da er politische inhalte enthielt, die den zensoren sauer aufstoßen könnten. noch bevor die zensoren den inhalt entdeckt hatten- um die geschäftliche basis im wachsenden chinesischen markt bloß nicht zu gefährden.
weitaus schlimmer handelte yahoo im gleichen jahr. yahoo hat durch die weitergabe von daten den chinesischen journalisten shi tao ins gefängnis gebracht. shi tao wurde zu 10 jahren gefängnis verurteilt, weil er über sein yahoo-postfach eine mail mit den arbeitsanweisungen der regierung zum bevorstehenden jahrestag des massakers auf dem platz des himmlischeen friedens an ausländische journalisten weitergeleitet hatte. yahoo hatte also aktiv mit dem chinesischen staatsschutz kooperiert und die ip-adresse des online-dissidenten mal eben weitergereicht.

anti klärte nun darüber auf, warum microsoft, google& co in china trotzdem so beliebt sind, während man bei uns nichts mehr fürchtet als die werbung vom blumenhändler bei einer mail zum muttertag: es gibt einfach keine alternativen. wenn westliche kommunikationsfirmen sich ganz aus dem chinesischen markt zurückziehen würden, wäre das der gau für die chinesische bevölkerung.denn als alternativen blieben nur noch chinesische dienste wie die suchmaschine "baidu.com" oder chinesische mail-services.

"without them chinese civil society would be totally lost. because of the lack of resources. even if those companies compromise with the authority, chinese people can accept that. this are the only tools for liberal people. the chinese companies are much more worse than that."

unsere sorge vor personalisierter werbung im postfach wirkt gegen die sorgen der bevölkerung in ländern wie burma, nordkorea oder china wohl eher wie ein luxusproblem. aus reiner profitgier und sicher nicht aus gutmenschentum sind sie präsent, die westlichen firmen- und helfen damit sogar. ich vertrat bisher die meinung, dass moral und ethik höher hängen müssen, als der wunsch nach profit und kompromisse mit der regierung unverzeihlich sind. weil ich noch nie über die alternativen nachgedacht habe (das heißt nun aber nicht, dass ich auf einmal glaube, das kapitalismus die welt rettet! und meine krankenakte tippe ich auch sicher nicht bei google-docs ein. aber spezielle fälle erfordern ihre spezielle sichtweise.) kommt eben nur drauf an, von welchem rand des stäbchens man auf google& co blickt...um endlich mal erklären zu können, was diese sperrige blog-adresse soll :)

Donnerstag, 23. April 2009

michael anti

..war heute mittag zu einem interview für meine bachelor-arbeit bereit und führte mir gleich nochmal die chinesische spontanität in sachen planung vor.
angeschrieben habe ich ihn vorgestern. gestern morgen eine antwort. "glad to talk to you. just call me to set a time."
da hätte ich schon ahnen müssen, das die breiten ausführungen meinerseits- "ich bin noch bis ende mai in beijing, ende juni wieder für einige tage und hoffe, wir finden da einen passenden termin blabla" -überflüssig waren.
gestern abend um 22 uhr ein kurzes telefonat. sein terminvorschlag: "what about tomorrow,2 pm?"
es folgte eine nur kurze nacht, um die fragen nochmal zu checken. immerhin ist anti selbst journalist und frisch von einem stipendium in harvard zurückgekehrt, da will man ja im bilde sein. bei der beijing rundschau gab man mir den nachmittag frei.
michael anti (sein synonym, dass er seinem richtigen namen vorzieht) ist recht bekannt und sicher zu den einflussreichsten bloggern chinas zu zählen.
2005 machte er weltweit schlagzeilen, als er gegen die löschung seines politischen weblogs durch microsoft protestierte. microsoft hatte im vorauseilenden gehorsam der chinesischen regierung gegenüber gehandelt. der auslöser für eine debatte zur ethik westlicher firmen auf dem chinesischen markt. wie zu erwarten ein sehr spannendes gespräch. in deutschland war anti auch schon, als juror der deutsche welle blog-awards. witzigerweise fing er von sich aus damit an, dass in deutschland ja alles so durchgeplant sei und solch strikte zeitpläne schon lange im voraus existieren...und ich erwähnte stolz meinen detaillierten terminplaner bis ende des jahres und darüber hinaus :) sehr sympathisch war er, hat mich wirklich gefreut ihn kennzulernen.
interessiert sich eigentlich jemand für details aus dem gespräch (wie auch aus dem mit doubleaf vor einiger zeit)? kann das so schlecht einschätzen, ist doch mein lieblingsthema. jetzt aber textlastige zusammenfassungen zu schreiben, die dann keiner lesen will, mag ich auch nicht.
photo: Shizhao unter CC-Lizenz

Mittwoch, 22. April 2009

update kondomwerbung

die grey group hat sich gestern für ihre entgleisung entschuldigt.

die offizielle stellungnahme im wortlaut:

Stellungnahme der Grey Group zur Kondomwerbung aus Deutschland
New York (ots/PRNewswire) -

Kürzlich tauchte eine Werbeanzeige von Grey Deutschland, die nie in irgendeinem bezahlten Medium erschienen ist, auf Internet-Websites auf, die sich der Werbung widmen. Wir haben verlangt, dass die Anzeige sofort entfernt wird.

Wir verstehen, dass diese Anzeige wegen der optischen Bezugnahme auf den Vorsitzenden Mao in China Gefühle verletzt hat. Grey hat sich aufrichtig entschuldigt und der chinesischen Botschaft in Deutschland in aller Form versichert, dass diese nicht autorisierte Anzeige nie erscheinen wird. Wir zollen China, dem chinesischen Volk, seiner Kultur und seinen Institutionen höchsten Respekt.

auf marketingportalen wie horizont.net wird mehrfach betont, dass die stellungnahme sogar von der konzernzentrale in den usa, nicht nur dem deutschen zweig kommt. liegt wohl an der brisanz für grey. das grey-netzwerk war als eine der ersten internationalen agenturen auf dem chinesischen markt präsent und man fürchtet sich nun vor einem einbruch der geschäfte in fernost. zumindest einen kurzzeitigen effekt halte ich für sehr wahrscheinlich. in china reagiert man gerne mal nationalistisch. warum das so ist, soll irgendwann auch mal ein eigener blog-eintrag zu erläutern versuchen.

randnotizen...

..diemal nicht aus dem fernseher, sondern aus dem wahren leben.

der chef ist nun endlich vater eines 4kg klop...äh, prachtburschen mit niedlicher knautschnase geworden. nachdem der kleine eigentlich schon eine woche vorher das licht der welt erblicken sollte, war der gute vater die tage vor der geburt ganz schön unentspannt und strahlt nun umso mehr.
letzten donnerstag waren die damen und herren von der bosch-stiftung im lande, um die chinesischen stipendiaten für die nächste runde auszuwählen. beim abendessen fehlte ein weiterer frischgebackener vater, ebenfalls einer der chinesischen kollegen. von meinem persönlichen eindruck her fällt mir die ein-kind-politik also nicht wirklich auf.

freitag mittag verabschiedete sich eine kollegin zwischendurch mal eben zur betrieblichen chor-probe. ich tippe mal stark auf kommunistisches liedgut, da es am
4. mai so etwas wie eine aufführung geben soll (jahrestag der sogenannten 4. mai-bewegung von 1919, ein protest gegen die unterzeichnung der versailler verträge durch die damalige chinesische regierung. es folgte eine intellektuelle bewegung, die zur gründung der kommunistischen partei zwei jahre später führte)
ob tatsächlich dongfang hong, der osten ist rot, angestimmt wurde, konnte ich nicht identifizieren. und nein, davon gehe ich auch nicht aus ;)
zum mitmachen animiert wurde ich jedenfalls nicht. nun gut, meine chinesische aussprache diverser straßenname wird von taxifahrern wie passanten auch noch immer mit verdutztem gesicht oder schallendem lachen quittiert. ich arbeite dran.

kommenden montag geht es auf betriebsausflug. hoffe ich zumindest, denn der sollte ursprünglich schon gewesen sein. deutsche planungswut ist in china nicht so verbreitet, spontanität das wort der stunde. zur konferenz wird 15 minuten vorher geladen. zu betriebsausflüge anscheinend ebenso. letzten donnerstag hieß es "montag ist ein ausflug". letzten freitag, also einen tag später, lautete die ansage schon "doch nicht jetzt diesen montag, eine woche später. verschoben".
immer was los im verlag...

Montag, 20. April 2009

musikalische kontraste...

..setzte das wochenende.
samstag mit einem feinen ska/punk- konzert im aus allen nähten platzenden mao-livehouse. reflectors aus beijing. asiatischen punk würden wir eher nicht als solchen verordnen. liegt an der sanfteren sprache, die in ländern wie china und vietnam auf den tonhöhen aufgebaut ist. das hab ich mir jetzt nicht ausgedacht, sondern damals von tony reno gelernt, den ich für einen leistungsnachweis in hong kong getroffen habe. (tony ist amerikaner und produziert nette podcasts mit asiatischen bands+ interviews unter DRAGON RADIO).
wer einen eindruck von samstag will, ich schussel hab ja aus versehen ein video gedreht, statt ein bild zu machen:





insgesamt ein gelungener abend. das bier lief auch ganz gut. also vermute ich mal, war ja ganz schön heiß im mao.
sonntag abend dann kultur in reinform. ab in die peking-oper.



nunja. die kostüme waren schön und prächtig. der rest-man stelle sich 5-10 katzen vor, denen gleichzeitig auf de schwanz getreten wird. unglaublich schrill. die betitelung an den LED-tafeln neben der bühne war dummerweise auch nicht in englisch, wie gedacht, sondern in chinesisch abgefasst. daher zum hergang nur so viel: ming-dynastie.königin. der böse. die guten. bisschen kampf. standing ovations der chinesischen zuschauer. also die darbietung muss wirklich großartig gewesen sein, der applaus wollte nicht enden.

Donnerstag, 16. April 2009

update "foreign journalists"

gestern abend ging es nochmal in den laden. wie im film: wir- falk und markus, die beiden anderen deutschen programmteilnehmer waren dabei- wurden durch die privaträume der familie in ein büro geführt. dort sollten wir warten, konnten den schlagstock in der ecke inspizieren und feststellen, dass der eingang des ladens videoüberwacht wird. hört sich banal an. aber bei der familie handelt es sich ganz und gar nicht um gehobenen mittelstand mit dickem auto und allem luxus. im gegenteil, der uringeruch, der aus dem bad strömte, hängt mir jetzt noch in der nase. und dann moderne technik?


skeptischer hinterzimmer-blick von markus...

als der hausherr kam, löste er das rätsel. noch immer fehlen fragmente und da ich keine ahnung habe, wie es nun weitergeht, nur eine kurzzusammenfassung:
der mann ist ausdrücklich kein dissident. im gegenteil, er steht voll und ganz hinter seiner regierung und möchte die auch gar nicht kritisieren.
es geht um korruption auf lokaler ebene, die er anprangert und die wohl dazu führt, das er sein haus verliert. er glaubt, dass seine regierung die menschen achtet, aber hu jintao, der staatschef, ja gar nicht erfährt, was auf unterer ebene passiert.
mit der überwachungskamera hat er über monate aufgenommen, was vor seinem haus passiert und wie die polizei tatenlos zusieht.



schon im politik-kurs an der uni hong kong wurde lange über die größte herausforderung für die kommunistische partei chinas geredet: die korruption.
unglaublich spannend, vor ort und aus erster hand die bestätigung zu erhalten.

Mittwoch, 15. April 2009

geschmacklos deutsche werbung...

...natürlich lässt sich drüber streiten und die werbetreibenden setzen sicher auf genau diesen aufschrei. aber ich finde sie, wie viele chinesen, äußerst geschmacklos, die werbung der deutschen werbeagentur grey worldwide.
die staatliche global times berichtet als erste, zahlreiche internetportale folgten.

kondomwerbung mit hitler, bin laden und mao tse-tung.

in einer chinesischen online-umfrage prangern 86 prozent von 24.000 umfragebeteiligten die werbung an.

der große steuermann, der am 1. oktober 1949 auf dem platz des himmlischen friedens in beijing die vr china ausrief und das land bis zu seinem tod 1976 regierte, wird vom großteil der chinesen verehrt. trotz all seiner gräueltaten und der millionen menschenleben, die unter anderem der "große sprung nach vorne" (1958-62) und die kulturrevolution forderten (1966-1976). man sagt in china, dass mao zu 70 prozent gutes getan hat und 30 prozent schlecht waren.

wie groß die faszination für mao ist, schockte mich bei meinem ersten beijing-besuch noch. die konservierten überreste maos sind im mao-mausoleum direkt am platz des himmlischen friedens anzuschauen. damals konnte ich kaum glauben, wie groß der andrang war, wie viele kinder blumen niederlegten und wie andächtig die menschen waren. schließlich gibt es kaum eine chinesische familie, die keine todesopfer in der mao-ära zu beklagen hatte. durch hunger, durch folter, durch mutwilligkeit. trotzdem wird diese werbung hier als unmöglich angesehen und je länger ich hier bin und je mehr ich lese, desto mehr verstehe das auch.
ps: natürlich ist die werbung nicht nur wegen mao unmöglich, sondern generell. was soll das heißen- jede spermie ein potentieller massenmörder?

Montag, 13. April 2009

neuerlicher cctv-schwank...

heute morgen bei einer tasse pulver-kaffee im altbekannten propaganda-sender:

wie im vorfeld von olmypia auch bei uns berichtet, gibt es in beijing für bestimmte kennzeichen an festgelegten tagen ein fahrverbot. somit muss jeder autobesitzer einmal die woche seine dicke karre stehen lassen.der umwelt und damit der dunstglocke zuliebe.
hier wimmelt es vor nagelneuen, hochpreisigen pkws. wie in deutschland entwickelt sich das auto zum statussymbol. nicht zuletzt die deutsche industrie dürfte davon stark profitieren, so liegt zb VW im trend.
einmal die woche den öffentlichen nahverkehr oder das rad zu benutzen, halte ich für völlig zumutbar. warum auch nicht? im vorfeld der spiele wurde massiv in neue u-bahn-linien investiert, busse fahren in großer zahl. extrem günstig noch dazu. auch für die einheimischen, nicht nur nach euro-maßstäben. schneller kommt man mit dem auto im verkehrsstau schließlich auch nicht voran. und eng ist es hier überall. nicht nur in bussen,auch in shopping-malls und supermärkten

zu meiner großen erleichterung wurde diese regelung des fahrverbots, die freitag ausgelaufen wäre, um ein jahr verlängert. was sagt die gute frau, die im cctv-beitrag zu ihrer meinung befragt wurde? "die verlängerung halte ich für ganz in ordnung. einmal in der woche kann ich auch das taxi zur arbeit nehmen."
ja genau. da hat es jemand begriffen.

nachtrag zu den weißen pollen: der heftige pollenflug stammt von den weiden, mit denen man vor einigen jahren die stadt begrünen wollte, erzählt der chef. gewissermaßen eine fehlplanung, denn man griff auf die schnell wachsenden weiblichen weiden zurück. die wachsen aber nicht nur schnell, sondern bereiten allergikern in diesen tagen sicher die hölle auf erden.

foreign journalists! help me!

frohe restostern!
mein "osterwochenende" wurde mir durch das schon wieder nicht funktionierende internet in der wohnung etwas verdorben. eigentlich stand recherche für die bachelor-arbeit zum thema "weblogs" auf dem plan. ohne internet musste ich diesen plan fallen lassen und stattdessen shoppen gehen.
kein spaß bei den beijinger wetterkapriolen. abgesehen von der unglaublichen dunstglocke, die schon wieder über der stadt hängt, kommen nun noch wolken von pollen hinzu. ich dachte ja erst, es würde schneien....



ganz so schlimm, wie es nun klingt, war das wochenende natürlich nicht. samstag stand eine amüsante kneipentour an. auf dem heimweg entdeckte ich dieses kleine stilleben:


woher soll man auch wissen, wozu die leere tonne dort rumsteht.

nachdem ich mir den sonntag mit einem buch und schwimmen vertrieben hatte, fuhr ich zum abendessen in die stadt. wo ich dann reingetreten bin- das kann ich noch nicht abschätzen. ich lief gegen 20h müde und mit zwei einkaufstüten (hübsche t-shirts gibt es hier!) an einem kleinen schreibwaren und fake-dvd-laden vorbei. und entdeckte den aushang im fenster. in großen roten lettern: foreign journalists! help me! kurzes abwägen- schließlich wurde dieser aushang sicher schon von anderen menschen entdeckt. möglichweise auch von menschen, die sich daran stören.

natürlich bin ich doch rein in den laden. mit meinen einkaufstüten sah ich schließlich aus, wie der potentielle fake-dvd käufer. erstmal umgeschaut und dann bei der dame hinter der kasse nach dem schild gefragt. irgendwann war ich von fünf familienmitgliedern umringt, von denen nur der kleine sohn etwas englisch konnte. mit einem chinesisch-englisch übersetzungscomputer wurde trotzdem konversation betrieben. und mir wurde ein zettel in die hand gedrückt, auf den sie den grund für ihren hilferuf noch einmal in schlechtem englisch formuliert hatten. ich habe zum handy gegriffen und einen der beiden deutschen kollegen, der recht fit in chinesisch ist, mit dem ladenbesitzer telefonieren lassen. so ganz klar ist mir die lage noch nicht. jedenfalls steckt meine langnase nun drin in der sache. vielleicht geb ich den fall auch einfach an die "investigative blogger-szene" weiter und starte mein eigenes kleines experiment in sachen bachelor-arbeit. kann also gut sein, dass wir uns schon bald wieder in deutschland sehen. ausweisung und so... :)
falls dieser blog nun zensiert wird, kann ich ja einfach wieder auf den alten ausweichen. der ist seit ein paar tagen wieder erreichbar. ich versteh's einfach nicht, das system.

Mittwoch, 8. April 2009

neuigkeiten...

gibt es nicht.
keine großen jedenfalls. der frühling ist nun auch in beijing angkommen und die stadt zeigt sich trotz obligatorischem grauschleier von ihrer farbigen seite:





sprechen wir doch einfach gleich vom sommer, denn eine stufe zwischen wintermantel und t-shirt gibt es in beijing nicht. der herbst soll demnach auch nicht existieren, auf sommer folgt winter. in china muss man klimamäßig ohnehin fast in jeder stadt mit anderem wetter rechnen, verteilt sich das riesige reich der mitte (27 mal größer als deutschland) doch über vier verschiedene klimazonen. während die temperaturen im norden im zweistelligen minusbereich liegen, ist im süden badewetter.

ein langes, entspanntes wochenende liegt hinter mir. mit einem erneuten besuch im 798art district:






samstag nacht gab es eine kleine meinungsverschiedenheit zwischen mir und dem taxifahrer, der mich kurzerhand einfach mal in einem verlassenen industriegebiet ausgesetzt hat. erfreulich, dass englische kraftausdrücke selbst bei chinesischen taxifahrern eindruck schinden.
sonntag ging es bei schönstem sonnenschein zu einem kleinen buddhistischen tempel mit angegliedertem museum, in dem restaurierte skulpturen aus gräbern und konfuzianischen tempeln zu sehen sind:




montag war ausgleichs-freier-tag für samstag, der eigentlich ein feiertag war. merkt man in beijing nur nichts von, läden haben 7 tage die woche auf und wuselig ist es immer, so auch am tag des totengedenkes. gedenkt man der verstorbenen eben in einer klimatisierten shopping-mall, einkaufen gehört ja zu den ganz großen hobbies in china.möglicherweise hat sich der inhalt meines schuhschranks ja am wochenende auch vermehrt. sehr wahrscheinlich sogar, die tür klemmt nämlich neuerdings.
ansonsten plätscheren die tage hier gerade sanft und angenehm vor sich hin. die nächte bergen sogar ansprechende überraschungen, denn beijing toppt hong kong in sachen musikalischer ausgehvielfalt um längen...und bald ist ja auch schon wieder wochenende. vielleicht sollte ich mir einfach einen hasenbraten gönnen, wenn ich schon kein oster-frei habe.

Freitag, 3. April 2009

olympia- und dann?

die nachnutzung des olympischen areals: was passiert eigentlich mit den riesigen anlagen, für die in schöner regelmäßigkeit millarden um millarden in den wind geschossen werden? davon hört man nie so wirklich was. bilanz: im vergleich mit athen (olympia 2004) und sydney (2000) steht beijing wirklich gut da.

im rahmen der recherche ist ein video entstanden. ich mag es natürlich mal wieder nicht. aber darum geht's ja hier in china auch gerade nicht, sondern um die zusammenarbeit, die gespräche und den kontakt zu den chinesischen kollegen.
bekanntlich bin ich kein tv-freund, sollte nicht vor die kamera, mein dialekt nicht aufs band und akkustikunterschiede gibts auch noch starke. die ausrüstung hier ist wesentlich simpler als die der meisten medien in deutschland, so gibt es kein studio zum einsprechen, sondern nur das kameramikro.
ABER: riesigen spaß gemacht hat das drehen dennoch. war es doch ein deutsch-chinesisch-englisches gemeinschaftsprojekt...






javine heißt das nette mädel auf den bildern. ihren abschluss macht sie gerade in filmwissenschaften hier in beijing. sie spricht englisch, aber kein deutsch. ich spreche englisch, aber kein chinesisch. daher war es an manchen stellen ein wirkliches kunststück- sie hatte keinen schimmer, was ich da so vor der kamera erzähle. ich hatte keine ahnung, was die touris, im dokumentALfilm!? praktischerweise 'touris' genannt, mir da erzählen. aber ich mag die chinesische selbstironie, die in allem steckt ;)
wir hatten keine drehgenehmigung, wurden natürlich angehalten und javine umschrieb die wahrheit einfach mal ein wenig und erzählte den securities was von einer übung für die uni. dass das ausgerechnet in china so leicht läuft, hätte ich vorher nie geglaubt. da ist ja die waterfront in bremen rigider.
die kollegen mögen das filmchen dafür umso mehr, soeben wurde ich um die englische übersetzung zur untertitelung für die englische website gebeten.

genug erklärt, hier das ergebnis. man beachte die texte.

eine gleichsam frustrierende, wie überraschende erkenntnis vom drehtag und den gesprächen mit javine: praktikanten werden in china genauso ausgebeutet wie in deutschland. denn auch in china ist der medienmarkt völlig überlaufen, weil jeder 'was mit medien machen will' und entsprechende studiengänge wie pilze aus dem boden spriessen.

Donnerstag, 2. April 2009

meine neuen freunde....

es gibt einen neuen mann im leben. er ist 66 jahre, hat sich eigenständig englisch beigebracht und mir gestern morgen sogar einen apfel geschenkt. wir pflegen unsere freundschaft morgens im bus nummer 40, wenn wir gemeinsam an der haltestelle 'wulu' einsteigen.
es gibt auch eine ersatzmutter in meinem leben. ich nenne sie 'die busfrau'.ihr alter kenne ich nicht, aber seit gestern hat sie eine neue fesche frisur. meine zeichensprache ist mittlerweile so gut, das ich ihr sogar ein kompliment machen konnte. schon in der ersten woche hat sie mich liebevoll unter ihre fittiche genommen. steige ich nämlich aus der 40, begrüßt sie mich freudenstrahlend und bringt mich in position. bus 121 wird dann per fähnchen direkt vor meine füße gewunken- ihr job ist es, den verkehr an der haltestelle zu regeln- und ich werde von ihr zur tür gewiesen. und wehe, irgendwer drängelt dazwischen! wenn ich dann abfahre, ruft sie ein letztes 'bye bye', schwingt ihr fähnchen und winkt mit der anderen hand. erinnert mich an einen schulausflug in der 3. klasse. jeden morgen wieder.
und dann gibt es noch einen zweiten mann in meinem leben. er ist der kantinenkoch und ist der meinung, dass 'ich aussehe wie ein richtiger westler. so wie auf bildern.' in schöner regelmäßigkeit steht er in der mittagspause an meinem tisch. ein bisschen englisch kann er auch. stockt das gespräch, helfen die kollegen als dolmetscher weiter. der ein oder andere kennt ja mein faible für ausgefallene ringe. meine schmuckschatulle ist natürlich auch in beijing am start. daher ist mein fingerschmuck sein einstiegsthema. danach reden wir über das wetter.

Mittwoch, 1. April 2009

tief& tiefer...

ein tief hat ja jeder mal. gerade bei einem längeren auslandsaufenthalt. mein tief war gestern abend erreicht, verschwindet nun aber schon ganz langsam wieder.
ich habe es kommen sehen. der ursprung alles übels nennt sich `public heating` und bedeutet, dass die heizung vom 15. november bis 15. märz auf volldampf läuft, tag wie nacht. wer's kälter will, muss das fenster aufreißen. nach den wochenlangen gewissensbissen in sachen klima kehrte in den vergangenen tagen das große zittern ein. der frühling lässt sich bitten, omas wollsocken konnten irgendwann auch nicht mehr helfen und so habe ich nicht selten in den letzten tagen auf der arbeit eine runde über den flur gedreht, um die gänsehaut loszuwerden. von den nächten mit mütze und schal ganz zu schweigen.
womit wir beim nächsten punkt wären. der unglaublichen energie, die das leben in dieser stadt ob der langen wege und des rush-hour-verkehrs kostet. 21 uhr ist momentan meine einschlafzeit unter der woche, fühlt sich nach dem ausgiebigen bremer studentenleben falsch an ;)
unter verschupften nasen und pfeifenden lungen als nebenwirkung des public heating leiden anscheinend auch viele einheimische. was das tägliche leben nicht spaßiger macht. die gelben schleimauswürfe häufen sich nämlich ganz gewaltig und zum schluss kam selbst der mp3-player auf voller lautstärke nicht mehr gegen die geräuschvolle art des auswurfs an.
außerdem war ich wohl naiv zu glauben, dass ich nach über einem monat nicht mehr der zirkusaffe des viertels bin, noch immer hat man sich nicht ganz an meinen anblick gewöhnt.
wenn man dann noch von ca. 20 schülern niedergetrampelt wird, weil die
' lasst doch erstmal alle leute aus dem bus'-devise hier nicht ganz so den großen anklang findet und DANN noch das internet streikt, dann ist will man sich eben nur noch die decke über den kopf ziehen..
das internet streikte bezeichnenderweise auch noch an einer ganz merkwürdigen stelle.
sonntag abend habe ich mich im rahmen der bachelor-arbeit mit einem chinesischen blogger getroffen, der im land selbst zensiert wird. wer mal schauen will: doubleaf.com



es ging um seine motivation und natürlich um die angst vor der polizei, die schonmal mahnend angerufen hat. zur sprache kamen auch die drei verbotenen t's: tibet, tiananmen, taiwan.
einige dinge waren mir neu. der hinweis, dass die erste chinesische software zur umgehung der
'great firewall' von der falun gong entwickelt wurde zum beispiel. kaum zuhause, wollte ich dem nachgehen und dachte, ich sei schlauer als die zensoren. war ich nicht. jedenfalls die üblichen fehlermeldungen. (wer nicht weiß, warum die falun gong als staatsfeind gehandelt werden, soll sich des unzensierten netztes im heimatland erfreuen). mein internetzugang machte leider von da an schlapp und funktioniert erst wieder seit einigen stunden.
natürlich reine paranoia, aber das komische gefühl war da....an dieser stelle beende ich den seelen-striptease, bedanke mich für's lesen des trögen textes und gönne mir ein schoko-eis. nach hause möchte ich nämlich trotz allem noch lange nicht ;)