...wechselte nach vielen jahren bei staatsmedien wie cctv und china daily an die peking university, wo er am institut für journalismus und kommunikation den journalistischen nachwuchs auf den alltag vorbereitet und nebenbei bloggt.im letzten jahr wurde er von der blogosphere auf eine 17 personen umfassende liste derer gesetzt, die die zivilgesellschaft durch das netz stärken und als führende stimmen des chinesischen netzes gelten.
um seinen landsleuten das internet zu erklären, schrieb er "the internet is king", eine gebrauchs- und handlungsanweisung.
heute nachmmittag kam es endlich zu dem - ausnahmesweise-von langer hand geplanten interview.
Photo: HKU
aus dem kopf und ohne nochmaliges anhören des bandes:
der weg an die uni: nach vielen- oft frustrierenden jahren- fand er es an der zeit, platz zu machen für junge leute in den medien. ihnen das rüstzeug mitgeben zu können, dieser wunsch verschlug ihn an die uni. denn dort wird zensur und der umgang mit eben jener offen thematisiert. was aber nicht heißt, dass man tricks und kniffe auspackt, mit denen sich die "great firewall" umgehen lässt.
liegt eigentlich auf der hand, aber da man an der uni hong kong, formal chinesisches territorium, in einer der ersten stunden eine lektion über sicheren mailverkehr und proxy-server bekommt, wollte ich dennoch fragen.
seine studenten: neben vielen "mitläufern"- also solchen, denen eben kein besseres studienfach eingefallen ist- sind einige darunter, die durchaus nicht gedenken, später nur staats-pr zu betreiben.
das studium: unterscheidet sich von den modulen kaum von einem deutschen. praxis-übungen sind ebenfalls bestandteil.
weblogs: ohne sie würde die chinesische gesellschaft heute "totally different" aussehen. exakt die gleiche formulierung, die auch von den anderen beiden bloggern genutzt würde. laut hu wäre ohne sie eines nicht vorhanden im hier und jetzt, nämlich eine öffentliche meinung. " a public opinion would not exist".
anti drückt das noch rigoroser aus, denn für in gibt es keine "neuen" und "alten" medien hier. bevor es das internet gab, gab es ganz einfach keinen journalismus in china.
der einfluss der blogger: reicht bis auf in das blickfeld der regierung. worüber wahrscheinlich in deutschen medien nicht berichtet wurde: im märz hat sich staatschef hu jintao einer online-fragestunde in einem chat gestellt. ein großteil mag symbol-politik gewesen sein, denn es handelte sich wirklich nur um eine zeit-stunde und viel konnte daher nicht angesprochen werden. trotzdem wertet hu yong dies als gutes zeichen, denn wenn von ganz oben aus der führungsetage das zeichen kommt, ins netz zu gehen, werden auf kurz oder lang auch örtliche machthaber in den provinzen nachziehen und aus dem symbolischen akt wird ein ernstzunehmender.
angst: ist ein fester bestandteil der chinesischen gesellschaft.
bei der frage ging es um den mut, brisante themen im netz anzusprechen und schwups- war der böse schatten der unfreiheit wieder im raum.
journalisten: anti sagte es auch schon, hu bestätigt es. in china sind die besten blogger journalisten. und zwar aus dem naheliegensten punkt: für ihren arbeitgeber dürfen sie nicht, also tun sie es woanders, die "sensitive topic"- geschichten niederschreiben.
mein persönlicher eindruck: so sind nicht alle. nur die wenigsten. aber es ist gut zu wissen, dass es sie gibt.
was grundsätzlich und überhaupt verboten und ganz schlimm ist, fängt in china mit "t" an: tibet, taiwan, tianan`men. ich freue mich schon sehr auf den versuch, am 4. juni den tianan`men square zu betreten. der 20. jahrestag des massakers auf dem im deutschen als "platz des himmlischen friedens" bekannten geländes steht an. blogger spüren das nahen solcher brisanten ereignisse traditionell an der stärkeren zensur.
um die offizielle behörden-sprache zu sprechen ersetze man "massaker" einfach durch "zwischefall". klingt doch gleich viel harmonischer und nach besserer pr.
