Donnerstag, 21. Mai 2009

umzug

der blog zieht zum dritten mal um und ich würde mich sehr freuen, wenn sich der ein- oder andere leser nochmal für die knallige farbgebung des altbewährten chinabuechleins erwärmen könnte.
unter der adresse http://chinabuechlein.blog.de geht es ab ab jetzt wieder weiter....

Sonntag, 17. Mai 2009

neue zensurwelle

die wege der chinesischen netz-nanny sind unergründlich. kurz nachdem ich freitag den letzten eintrag geschrieben habe, wurde der blogdienst blogspot.com- ein google-angebot- in china auf den index gesetzt. heißt: ich habe auf legalem wege keinen zugang mehr.
genau wie auf youtube, seit wochen zensiert. wikipedia ist tageweise zu, die webseite der bbc sowieso. diese liste ließe sich ins endlose weiterführen, täglich stoße ich mindestens 1,2mal auf unterbrochene verbindungen.

beklemmend. rund die hälfte meiner nachrichten-feeds funktionert ebenfalls nicht mehr, darunter deutsche medieblogs wie stefan niggemeier oder indiskretion ehrensache.
das sind sie wohl, die vorzeichen des nahenden 4. juni. ich würde gerne weiter bloggen, vor allem da es nächste woche schon ans koffer packen ud reisen geht. aber nochmal den server wechseln- mal sehen. in franzi habe ich ja meine persönliche hochlade-assistentin in deutschland. jedenfalls habe ich mich getäuscht. nicht die sprachbarriere ist ein problem für mich, sondern das gefühl der kontrolle und unfreiheit.

Freitag, 15. Mai 2009

beispiel: chinesische nachrichtenmeldung

eine typische nachricht, so wie sie in china publiziert wird. auch in staatlichen medien, die fremdsprachlich arbeiten, also in unserem verlag. meine derzeitige aufgabe besteht darin, solche meldungen bei bedarf als muttersprachlerin zu korrigieren. natürlich, ohne aussagen und inhalt zu verfälschen.
ich kommentiere sie aus gründen der fairness und des respekts den kollegen gegenüber nicht weiter, suche aber bei gelegenheit vielleicht noch 1,2 meldungen raus:

Wu Bangguo trifft Russlands Präsidenten
Der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Chinesischen Nationalen Volkskongresses, Wu Bangguo, ist am Mittwochnachmittag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedew zusammengetroffen. Die beiden Politiker haben eine weitere Vertiefung des gegenseitigen politischen Vertrauens, eine Verstärkung der Zusammenarbeit und die gemeinsame Bekämpfung der globalen Finanzkrise erörtert. Wu Bangguo sagte, China wolle mit Russland die Beziehungen intensivieren. Beide Länder sollten sich gegenseitige politisches Vertrauen entgegenbringen. Die pragmatische Kooperation bei Handel und Wirtschaft sowie im Bereich Energie werde ausgebaut. Nicht zuletzt sollten Dialog und Zusammenarbeit im Finanzbereich gefördert werden.

Medwedew erwiderte, Russland wolle ebenso mit China das politische Vertrauen vertiefen und die Zusammenarbeit bei Energie und Handel ausbauen. Zudem wolle sein Land mit China die Koordinierung in internationalen Angelegenheiten enger gestalten und die Beziehungen intensivieren.
Wu Bangguo dankte Russland für dessen Standpunkt zur Unterstützung Chinas in der Taiwan- und in der Tibet-Frage. Medwedew betonte, Russland werde nach wie vor an der Ein-China-Politik festhalten.
Am gleichen Tag traf Wu Bangguo mit dem Vorsitzenden des russischen Föderationsrats, Sergei Mironow, zu einem Gespräch zusammen. Zudem nahmen beide Politiker an der dritten Sitzung des Komitees für parlamentarische Kooperation beider Länder teil.

Mittwoch, 13. Mai 2009

hu yong...

...wechselte nach vielen jahren bei staatsmedien wie cctv und china daily an die peking university, wo er am institut für journalismus und kommunikation den journalistischen nachwuchs auf den alltag vorbereitet und nebenbei bloggt.
im letzten jahr wurde er von der blogosphere auf eine 17 personen umfassende liste derer gesetzt, die die zivilgesellschaft durch das netz stärken und als führende stimmen des chinesischen netzes gelten.
um seinen landsleuten das internet zu erklären, schrieb er "the internet is king", eine gebrauchs- und handlungsanweisung.
heute nachmmittag kam es endlich zu dem - ausnahmesweise-von langer hand geplanten interview.
Photo: HKU

aus dem kopf und ohne nochmaliges anhören des bandes:

der weg an die uni: nach vielen- oft frustrierenden jahren- fand er es an der zeit, platz zu machen für junge leute in den medien. ihnen das rüstzeug mitgeben zu können, dieser wunsch verschlug ihn an die uni. denn dort wird zensur und der umgang mit eben jener offen thematisiert. was aber nicht heißt, dass man tricks und kniffe auspackt, mit denen sich die "great firewall" umgehen lässt.
liegt eigentlich auf der hand, aber da man an der uni hong kong, formal chinesisches territorium, in einer der ersten stunden eine lektion über sicheren mailverkehr und proxy-server bekommt, wollte ich dennoch fragen.

seine studenten: neben vielen "mitläufern"- also solchen, denen eben kein besseres studienfach eingefallen ist- sind einige darunter, die durchaus nicht gedenken, später nur staats-pr zu betreiben.

das studium: unterscheidet sich von den modulen kaum von einem deutschen. praxis-übungen sind ebenfalls bestandteil.

weblogs: ohne sie würde die chinesische gesellschaft heute "totally different" aussehen. exakt die gleiche formulierung, die auch von den anderen beiden bloggern genutzt würde. laut hu wäre ohne sie eines nicht vorhanden im hier und jetzt, nämlich eine öffentliche meinung. " a public opinion would not exist".

anti drückt das noch rigoroser aus, denn für in gibt es keine "neuen" und "alten" medien hier. bevor es das internet gab, gab es ganz einfach keinen journalismus in china.

der einfluss der blogger: reicht bis auf in das blickfeld der regierung. worüber wahrscheinlich in deutschen medien nicht berichtet wurde: im märz hat sich staatschef hu jintao einer online-fragestunde in einem chat gestellt. ein großteil mag symbol-politik gewesen sein, denn es handelte sich wirklich nur um eine zeit-stunde und viel konnte daher nicht angesprochen werden. trotzdem wertet hu yong dies als gutes zeichen, denn wenn von ganz oben aus der führungsetage das zeichen kommt, ins netz zu gehen, werden auf kurz oder lang auch örtliche machthaber in den provinzen nachziehen und aus dem symbolischen akt wird ein ernstzunehmender.

angst: ist ein fester bestandteil der chinesischen gesellschaft.
bei der frage ging es um den mut, brisante themen im netz anzusprechen und schwups- war der böse schatten der unfreiheit wieder im raum.

journalisten: anti sagte es auch schon, hu bestätigt es. in china sind die besten blogger journalisten. und zwar aus dem naheliegensten punkt: für ihren arbeitgeber dürfen sie nicht, also tun sie es woanders, die "sensitive topic"- geschichten niederschreiben.
mein persönlicher eindruck: so sind nicht alle. nur die wenigsten. aber es ist gut zu wissen, dass es sie gibt.

was grundsätzlich und überhaupt verboten und ganz schlimm ist, fängt in china mit "t" an: tibet, taiwan, tianan`men. ich freue mich schon sehr auf den versuch, am 4. juni den tianan`men square zu betreten. der 20. jahrestag des massakers auf dem im deutschen als "platz des himmlischen friedens" bekannten geländes steht an. blogger spüren das nahen solcher brisanten ereignisse traditionell an der stärkeren zensur.
um die offizielle behörden-sprache zu sprechen ersetze man "massaker" einfach durch "zwischefall". klingt doch gleich viel harmonischer und nach besserer pr.

Montag, 11. Mai 2009

drumherum der kontraste...

woran merkt man, dass man in china ist?
genau, daran, dass nachts um 1.30 uhr ein LKW mit wanderarbeitern vorfährt, die dann ihre baustellenlampen auspacken und die nächsten zwei stunden den presslufthammer anwerfen. 50 meter neben den wohnhäusern.
oder daran: nichtsahnend liegt man auf der couch und plötzlich fallen schüsse. glaubt man, in wirklichkeit fallen nur die häuschen 500 meter weiter in sich zusammen und es war eine mini-sprengung.
entspannung ist nicht immer leicht zu finden. guter dinge habe ich nun mal etwas ganz profanes getan, nämlich meine nähere umgebung per fuß erkundet. und siehe da,auf der einen seite das paradies! ein park, den man park nennen kann. auch wenn das betreten des rasens verboten ist. und eine pagode, eine richtig schöne. jeden morgen fuhr ich bisher mit dem bus dran vorbei, jetzt mal in echt....

die pagode wurde 1576 zusammen mit einem tempel erbaut, der wurde aber kurz darauf während der qing-dynastie zerstört.


heimlich habe ich mich dann doch mit einem buch auf den rasen verzogen und den nachmittag auf diesem relativ ruhigen fleckchen beijings verbracht (5 großfamilien mit picknick-körben, einen chor und eine armee schreiender kleinkinder mit eltern ignorieren ist meine leichteste übung)...jedenfalls ärgere ich mich, dass ich nicht schon früher mal geschaut habe, wie dieser keine 10 gehminuten vom apartment entfernte park aussieht.

der eingeschlagene weg zum park war ebenso unbekanntes terrain. normalerweise nehme ich nur die hauptstraße bis zur bushaltestelle. diesmal bog ich links ab und ging durch gassen, die das entwicklungsland offenbaren.
kleine garküchen, viel schmutz, viel chaos.




am ende der straße ein strenger geruch. schon im eingang der halle überall fliegen. ich konnte es erst nicht glauben, aber es gibt sie auch in beijing selbst noch, diese fleischmärkte unter extrem miesen hygiene-bedingungen. in der olympia-gesäuberten hauptstadt in einer "ordentlichen" gegend hätte ich SO nicht damit gerechnet.
in der schummrigen halle hing alles getier, dass man sich nur denken kann. tot und halbiert natürlich, dazu aquarien voller fische, gedärme auf dem boden und eben gestank. nichts für vegetarier. natürlich konnte ich dort nicht so ganz unbemerkt rumlaufen und nicht mehr bilder machen. die marktleute schauten nicht so freundlich. wegen des gestanks konnte ich auch nicht lächeln.


unwirklich daran ist, dass gegenüber des fleischmarktes gerade eine wohnsiedlung frisch hochgezogen wurde, die gut betuchtes publikum locken soll.


auch meine hausnachbarn kaufen sicher nicht dort ein. diese völligen kontraste in meiner nähe habe ich über 2 monate übersehen. der erste spaziergang mit meinem in 10 tagen aufschlagenden deutschen besuch wird durch das "alte china" gleich nebenan führen.

Dienstag, 5. Mai 2009

gesangswettbewerb der jungendpartei

heute mal wieder die chinesische paradedisziplin spontanität auf sehr erfrischende weise:
" nach dem mittagessen ist ein gesangswettbewerb. möchtest du mitkommen?"
klar wollte ich. eine verlagsinterne veranstaltung zum tag der jugend am 4. mai (jahrestag der mai-bewegung 1919;erläuterung im blog weiter unten).

rund um diesen gedenktag finden in ganz china feste statt, bei denen die lieder von "damals" gesungen werden, sagte man mir.
die politiker des landes laufen zur hochform auf und so bestand mein vormittag darin, nachrichten zu redigieren, in denen staatschef hu jintao bei einem besuch einer agrar-universität dazu aufruft, den geist der revolution weiterzutragen und sich auch in die basiseinheiten einzubringen.
noch immer zucke ich gelegentlich. denn daran, dass eine nachricht aus 10 aneinandergereihten, grundsätzlich für china immer positiven zitaten besteht, gewöhne ich mich nur schwer. kein hinterfragen, wenig kontext. die sprache mal ganz außen vorgelassen....aber gerade dieses system wollte ich ja kennenlernen und wissen, wie es um das journalistische selbstverständis in china steht. bei staatsmedien begreift sich der großteil der journalisten als offizielle, daher entsprechen solche nachrichten ganz einfach der eigenen auffassung des berufes.

jedenfalls auch bei uns ein gesangswettbewerb. mit der kommunistischen jungendpartei als veranstalter.
obwohl ich nicht der einzige ausländer im haus bin, war ich der einzige im raum. dachte auch erst, man wolle mich "mobben", als das mädel am eingang meiner kollegin etwas in die hand drückte, mich sah und zurückzuckte. wollte man nicht, aber als nichtparteimitglied bekam ich nunmal keine partei-anstecknadel. in deutschland mag man gerne glauben, jeder sei in der KP, aus zwang. stimmt nicht, nur ein geringer prozentsatz. jetzt weiß ich- völlig wertfrei, denn gerade mit einem parteimitglied konnte ich eines der offensten gespräche hier führen-wer meiner kollegen es ist.
die veranstaltung an sich, ein spaß. los ging es mit der hymne der jugendpartei, für die ich natürlich auch aufstand. wenn ich mich auch zwang, mir weniger schöne gedanken zu machen um nicht zu lachen, denn es hatte als außenstehender schon was amüsantes, dass so was simples wie ein spaß-wettbewerb so offiziell beginnt.



weiter, ob in der gruppe...hier bei dem song "meine hoffnung ist die zukunft"...
...oder alleine mit gitarre (klang ein wenig wie seaside von den kooks, wenn der chinesische text nicht gewesen wäre)
super stimmung, ich begann auch bald mitzuwippen. plastikhände ließ ich allerdings nicht klappern.
zu einstimmung wurden liedtexte an die wand geworfen und die einzelnen redaktionen mussten gegeneinander antreten. meine kollegin übersetzte freundlicherweise ein wenig. vom titel her hätten auch deutsche schlager reingepasst. "der olivenbaum", irgendwas mit viel liebe und schmalz und ein lied mit udo-jürgens-melodie.
in china gibt es an jeder ecke karaoke-läden, eines der liebsten hobbies hier. merkte man der veranstaltung deutlich an, die karoake- routine. welcher deutsche chef würde sich- wohlgemerkt ohne vorherige hochprozentige stärkung- vor die kollegen stellen und ein liebeslied schmettern?

zwei stunden- arbeitsstunden!- dauerte der spaß. ein netter einblick.

Sonntag, 3. Mai 2009

beihai. oder: "ab in den park" auf chinesisch

im grunde wusste ich, was auf mich zukommt, aber man macht ja gerne den gleichen fehler nochmal.
ein sonniger samstag mittag und der vorsatz, nun endlich mal in den beihai-park zu gehen.
mein fehler war, ein buch einzupacken und zu glauben, park sei park. so schön deutsch mit ruhe,entspannen und im schatten auf dem rasen liegen.
in china gibt es ja nun aber mehr menschen, die alle das gleiche wollen.daher begann der ausflug an der kassenschlange, eine viertelstunde anstehen (viele parks in china kosten eintritt, was sie aber auch wert sind. so wollen die 68 hektar des beihai-parks mit seinem tempel und einer insel auch gepflegt werden).war ganz schön viel los in diesem park, der eigentlich aus einem see mit einem teerweg und bäumen drumherum besteht. entspannung fand trotzdem, wer es sich mit auf dem beton gemütlich machte. den rasen soll man nämlich laut schildern nicht betreten.
außerdem war gerade die bewässerungsanlage im vollen einsatz, die kinder hatten ihren spaß...

laut ist es in chinesischen parks. auf angenehme art, denn wie schonmal in qingdao beim letzten mal china, fand sich auch hier ein chor, der in einer verbogenen ecke probte. auch auf andere art, lauter chinesischer pop ist nicht so mein fall. das junge mädchen mit ihrer perfomance dazu schon eher.

im park wurde mir dann auch nochmal vor augen geführt, warum es unmöglich ist, hier eine sonnencreme in einer angemessenen packungsgröße zu finden
(30 ml= 2 mal nasenrücken eincremen für schlappe 6 euro): man trägt schirm.
ordinäre sonnenschirme, oder die feinere version. auf die suche nach dem hier werde ich bei gelegenheit mal gehen, das soll mein neuer werden:

das highlight des parks ist die weiße pagode, die auf einer insel im see thront und deren spitze auch in der innenstadt nochdeutlich zu sehen ist. der aufstieg war steil, die ausicht über beijing leicht vom smog getrübt, aber dennoch schön. die braunen dächer, direkt hinter den bäumen, sind die der verbotenen stadt am platz des himmlischen friedens, dem zentrum beijings.



















das ist die weiße pagode. und zusammen mit mir als ausländer war die natürlich ein unschlagbares fotomotiv. unter anderem bei diesem netten mädel ("welcome to beijing") erscheine ich nun im familienalbum....
















das mit dem buch und der entspannung wurde doch noch was, wie üblich in der nanluoguxiang. später am abend kamen, ebenfalls wie üblich, noch falk und markus hinzu zum "die chinesische arbeitswoche bei bier revue passieren lassen". falk ist derzeit bei der nachrichtenangentur xinhua, markus bei china daily. eine neue sonnenbrille habe ich übrigens erstanden. mir steht sie auch ganz sicher.

Mittwoch, 29. April 2009

mein lieblingshutong: nanluoguxiang

gerne hätte ich meinen sonntag nachmittag mit einem buch in einem der cafés dort verbracht. oder shoppend in einem der netten läden . ..(fiel alles leider aus, das wochenende hab ich mich allerlei krämpfen im bett verbracht).


ich bin jedenfalls oft dort, in der NANLUOGUXIANG und die recherche war die ideale gelegenheit, selbst während der arbeitszeit auf einer sonnigen dachterasse zu sitzen....



ein bisschen erstaunt war ich schon- an dem text wurde nichts verändert, gar nichts. kein wort. es gab aber auch kein feedback. gar nichts. kein wort. die beiden jungs erleben bei ihrem "medienbotschaften" da ganz andere szenen. merkwürdig.

Freitag, 24. April 2009

don`t be evil..



lautet bekanntlich firmenspruch des kalifornischen imperiums.

google verhält sich nach unseren vorstellungen allerdings ganz und gar nicht so harmlos, sondern mutet mit seinen welteroberungs-plänen wie der teufel in person an. wissen wir ja alle. sogar die elektronische postverkehr via gmail wird abgescannt und passend dazu die werbung platziert, ungeheuerlich, wo bleibt denn da der datenschutz& trallala.

nun musste ich gezwungermaßen schon an tag 2 in der redaktion einen
gmail-account
einrichten, was mir so gar nicht passte. aber im verlag wird eben gerne per google-chat kommuniziert, also legte ich mir die passende adresse zu und schrie innerlich auf, als ich die zu erwartende werbung erblickte.

um auf china zu kommen und damit einen kleinen szene aus den blogger-interviews aufzugreifen: ich saß ganz schön verduzt da, als mir beide blogger erzählten, dass sie so ziemlich alle google-tools nutzen, die es gibt. vom kalender, über den feed-reader hin zum mail-postfach. passt doch gar nicht, google ist doch der daten-teufel schlechthin und daten sammeln in china, das muss doch extra böse sein?

passt doch. michael anti hat mir die erklärung gegeben....
ich fragte ihn zum abschluss des gespräches, welche ethik er sich denn nun von westlichen firmen wünscht, die in china investieren.
zur erinnerung: microsoft sperrte seinen blog 2005, da er politische inhalte enthielt, die den zensoren sauer aufstoßen könnten. noch bevor die zensoren den inhalt entdeckt hatten- um die geschäftliche basis im wachsenden chinesischen markt bloß nicht zu gefährden.
weitaus schlimmer handelte yahoo im gleichen jahr. yahoo hat durch die weitergabe von daten den chinesischen journalisten shi tao ins gefängnis gebracht. shi tao wurde zu 10 jahren gefängnis verurteilt, weil er über sein yahoo-postfach eine mail mit den arbeitsanweisungen der regierung zum bevorstehenden jahrestag des massakers auf dem platz des himmlischeen friedens an ausländische journalisten weitergeleitet hatte. yahoo hatte also aktiv mit dem chinesischen staatsschutz kooperiert und die ip-adresse des online-dissidenten mal eben weitergereicht.

anti klärte nun darüber auf, warum microsoft, google& co in china trotzdem so beliebt sind, während man bei uns nichts mehr fürchtet als die werbung vom blumenhändler bei einer mail zum muttertag: es gibt einfach keine alternativen. wenn westliche kommunikationsfirmen sich ganz aus dem chinesischen markt zurückziehen würden, wäre das der gau für die chinesische bevölkerung.denn als alternativen blieben nur noch chinesische dienste wie die suchmaschine "baidu.com" oder chinesische mail-services.

"without them chinese civil society would be totally lost. because of the lack of resources. even if those companies compromise with the authority, chinese people can accept that. this are the only tools for liberal people. the chinese companies are much more worse than that."

unsere sorge vor personalisierter werbung im postfach wirkt gegen die sorgen der bevölkerung in ländern wie burma, nordkorea oder china wohl eher wie ein luxusproblem. aus reiner profitgier und sicher nicht aus gutmenschentum sind sie präsent, die westlichen firmen- und helfen damit sogar. ich vertrat bisher die meinung, dass moral und ethik höher hängen müssen, als der wunsch nach profit und kompromisse mit der regierung unverzeihlich sind. weil ich noch nie über die alternativen nachgedacht habe (das heißt nun aber nicht, dass ich auf einmal glaube, das kapitalismus die welt rettet! und meine krankenakte tippe ich auch sicher nicht bei google-docs ein. aber spezielle fälle erfordern ihre spezielle sichtweise.) kommt eben nur drauf an, von welchem rand des stäbchens man auf google& co blickt...um endlich mal erklären zu können, was diese sperrige blog-adresse soll :)

Donnerstag, 23. April 2009

michael anti

..war heute mittag zu einem interview für meine bachelor-arbeit bereit und führte mir gleich nochmal die chinesische spontanität in sachen planung vor.
angeschrieben habe ich ihn vorgestern. gestern morgen eine antwort. "glad to talk to you. just call me to set a time."
da hätte ich schon ahnen müssen, das die breiten ausführungen meinerseits- "ich bin noch bis ende mai in beijing, ende juni wieder für einige tage und hoffe, wir finden da einen passenden termin blabla" -überflüssig waren.
gestern abend um 22 uhr ein kurzes telefonat. sein terminvorschlag: "what about tomorrow,2 pm?"
es folgte eine nur kurze nacht, um die fragen nochmal zu checken. immerhin ist anti selbst journalist und frisch von einem stipendium in harvard zurückgekehrt, da will man ja im bilde sein. bei der beijing rundschau gab man mir den nachmittag frei.
michael anti (sein synonym, dass er seinem richtigen namen vorzieht) ist recht bekannt und sicher zu den einflussreichsten bloggern chinas zu zählen.
2005 machte er weltweit schlagzeilen, als er gegen die löschung seines politischen weblogs durch microsoft protestierte. microsoft hatte im vorauseilenden gehorsam der chinesischen regierung gegenüber gehandelt. der auslöser für eine debatte zur ethik westlicher firmen auf dem chinesischen markt. wie zu erwarten ein sehr spannendes gespräch. in deutschland war anti auch schon, als juror der deutsche welle blog-awards. witzigerweise fing er von sich aus damit an, dass in deutschland ja alles so durchgeplant sei und solch strikte zeitpläne schon lange im voraus existieren...und ich erwähnte stolz meinen detaillierten terminplaner bis ende des jahres und darüber hinaus :) sehr sympathisch war er, hat mich wirklich gefreut ihn kennzulernen.
interessiert sich eigentlich jemand für details aus dem gespräch (wie auch aus dem mit doubleaf vor einiger zeit)? kann das so schlecht einschätzen, ist doch mein lieblingsthema. jetzt aber textlastige zusammenfassungen zu schreiben, die dann keiner lesen will, mag ich auch nicht.
photo: Shizhao unter CC-Lizenz

Mittwoch, 22. April 2009

update kondomwerbung

die grey group hat sich gestern für ihre entgleisung entschuldigt.

die offizielle stellungnahme im wortlaut:

Stellungnahme der Grey Group zur Kondomwerbung aus Deutschland
New York (ots/PRNewswire) -

Kürzlich tauchte eine Werbeanzeige von Grey Deutschland, die nie in irgendeinem bezahlten Medium erschienen ist, auf Internet-Websites auf, die sich der Werbung widmen. Wir haben verlangt, dass die Anzeige sofort entfernt wird.

Wir verstehen, dass diese Anzeige wegen der optischen Bezugnahme auf den Vorsitzenden Mao in China Gefühle verletzt hat. Grey hat sich aufrichtig entschuldigt und der chinesischen Botschaft in Deutschland in aller Form versichert, dass diese nicht autorisierte Anzeige nie erscheinen wird. Wir zollen China, dem chinesischen Volk, seiner Kultur und seinen Institutionen höchsten Respekt.

auf marketingportalen wie horizont.net wird mehrfach betont, dass die stellungnahme sogar von der konzernzentrale in den usa, nicht nur dem deutschen zweig kommt. liegt wohl an der brisanz für grey. das grey-netzwerk war als eine der ersten internationalen agenturen auf dem chinesischen markt präsent und man fürchtet sich nun vor einem einbruch der geschäfte in fernost. zumindest einen kurzzeitigen effekt halte ich für sehr wahrscheinlich. in china reagiert man gerne mal nationalistisch. warum das so ist, soll irgendwann auch mal ein eigener blog-eintrag zu erläutern versuchen.

randnotizen...

..diemal nicht aus dem fernseher, sondern aus dem wahren leben.

der chef ist nun endlich vater eines 4kg klop...äh, prachtburschen mit niedlicher knautschnase geworden. nachdem der kleine eigentlich schon eine woche vorher das licht der welt erblicken sollte, war der gute vater die tage vor der geburt ganz schön unentspannt und strahlt nun umso mehr.
letzten donnerstag waren die damen und herren von der bosch-stiftung im lande, um die chinesischen stipendiaten für die nächste runde auszuwählen. beim abendessen fehlte ein weiterer frischgebackener vater, ebenfalls einer der chinesischen kollegen. von meinem persönlichen eindruck her fällt mir die ein-kind-politik also nicht wirklich auf.

freitag mittag verabschiedete sich eine kollegin zwischendurch mal eben zur betrieblichen chor-probe. ich tippe mal stark auf kommunistisches liedgut, da es am
4. mai so etwas wie eine aufführung geben soll (jahrestag der sogenannten 4. mai-bewegung von 1919, ein protest gegen die unterzeichnung der versailler verträge durch die damalige chinesische regierung. es folgte eine intellektuelle bewegung, die zur gründung der kommunistischen partei zwei jahre später führte)
ob tatsächlich dongfang hong, der osten ist rot, angestimmt wurde, konnte ich nicht identifizieren. und nein, davon gehe ich auch nicht aus ;)
zum mitmachen animiert wurde ich jedenfalls nicht. nun gut, meine chinesische aussprache diverser straßenname wird von taxifahrern wie passanten auch noch immer mit verdutztem gesicht oder schallendem lachen quittiert. ich arbeite dran.

kommenden montag geht es auf betriebsausflug. hoffe ich zumindest, denn der sollte ursprünglich schon gewesen sein. deutsche planungswut ist in china nicht so verbreitet, spontanität das wort der stunde. zur konferenz wird 15 minuten vorher geladen. zu betriebsausflüge anscheinend ebenso. letzten donnerstag hieß es "montag ist ein ausflug". letzten freitag, also einen tag später, lautete die ansage schon "doch nicht jetzt diesen montag, eine woche später. verschoben".
immer was los im verlag...

Montag, 20. April 2009

musikalische kontraste...

..setzte das wochenende.
samstag mit einem feinen ska/punk- konzert im aus allen nähten platzenden mao-livehouse. reflectors aus beijing. asiatischen punk würden wir eher nicht als solchen verordnen. liegt an der sanfteren sprache, die in ländern wie china und vietnam auf den tonhöhen aufgebaut ist. das hab ich mir jetzt nicht ausgedacht, sondern damals von tony reno gelernt, den ich für einen leistungsnachweis in hong kong getroffen habe. (tony ist amerikaner und produziert nette podcasts mit asiatischen bands+ interviews unter DRAGON RADIO).
wer einen eindruck von samstag will, ich schussel hab ja aus versehen ein video gedreht, statt ein bild zu machen:





insgesamt ein gelungener abend. das bier lief auch ganz gut. also vermute ich mal, war ja ganz schön heiß im mao.
sonntag abend dann kultur in reinform. ab in die peking-oper.



nunja. die kostüme waren schön und prächtig. der rest-man stelle sich 5-10 katzen vor, denen gleichzeitig auf de schwanz getreten wird. unglaublich schrill. die betitelung an den LED-tafeln neben der bühne war dummerweise auch nicht in englisch, wie gedacht, sondern in chinesisch abgefasst. daher zum hergang nur so viel: ming-dynastie.königin. der böse. die guten. bisschen kampf. standing ovations der chinesischen zuschauer. also die darbietung muss wirklich großartig gewesen sein, der applaus wollte nicht enden.

Donnerstag, 16. April 2009

update "foreign journalists"

gestern abend ging es nochmal in den laden. wie im film: wir- falk und markus, die beiden anderen deutschen programmteilnehmer waren dabei- wurden durch die privaträume der familie in ein büro geführt. dort sollten wir warten, konnten den schlagstock in der ecke inspizieren und feststellen, dass der eingang des ladens videoüberwacht wird. hört sich banal an. aber bei der familie handelt es sich ganz und gar nicht um gehobenen mittelstand mit dickem auto und allem luxus. im gegenteil, der uringeruch, der aus dem bad strömte, hängt mir jetzt noch in der nase. und dann moderne technik?


skeptischer hinterzimmer-blick von markus...

als der hausherr kam, löste er das rätsel. noch immer fehlen fragmente und da ich keine ahnung habe, wie es nun weitergeht, nur eine kurzzusammenfassung:
der mann ist ausdrücklich kein dissident. im gegenteil, er steht voll und ganz hinter seiner regierung und möchte die auch gar nicht kritisieren.
es geht um korruption auf lokaler ebene, die er anprangert und die wohl dazu führt, das er sein haus verliert. er glaubt, dass seine regierung die menschen achtet, aber hu jintao, der staatschef, ja gar nicht erfährt, was auf unterer ebene passiert.
mit der überwachungskamera hat er über monate aufgenommen, was vor seinem haus passiert und wie die polizei tatenlos zusieht.



schon im politik-kurs an der uni hong kong wurde lange über die größte herausforderung für die kommunistische partei chinas geredet: die korruption.
unglaublich spannend, vor ort und aus erster hand die bestätigung zu erhalten.

Mittwoch, 15. April 2009

geschmacklos deutsche werbung...

...natürlich lässt sich drüber streiten und die werbetreibenden setzen sicher auf genau diesen aufschrei. aber ich finde sie, wie viele chinesen, äußerst geschmacklos, die werbung der deutschen werbeagentur grey worldwide.
die staatliche global times berichtet als erste, zahlreiche internetportale folgten.

kondomwerbung mit hitler, bin laden und mao tse-tung.

in einer chinesischen online-umfrage prangern 86 prozent von 24.000 umfragebeteiligten die werbung an.

der große steuermann, der am 1. oktober 1949 auf dem platz des himmlischen friedens in beijing die vr china ausrief und das land bis zu seinem tod 1976 regierte, wird vom großteil der chinesen verehrt. trotz all seiner gräueltaten und der millionen menschenleben, die unter anderem der "große sprung nach vorne" (1958-62) und die kulturrevolution forderten (1966-1976). man sagt in china, dass mao zu 70 prozent gutes getan hat und 30 prozent schlecht waren.

wie groß die faszination für mao ist, schockte mich bei meinem ersten beijing-besuch noch. die konservierten überreste maos sind im mao-mausoleum direkt am platz des himmlischen friedens anzuschauen. damals konnte ich kaum glauben, wie groß der andrang war, wie viele kinder blumen niederlegten und wie andächtig die menschen waren. schließlich gibt es kaum eine chinesische familie, die keine todesopfer in der mao-ära zu beklagen hatte. durch hunger, durch folter, durch mutwilligkeit. trotzdem wird diese werbung hier als unmöglich angesehen und je länger ich hier bin und je mehr ich lese, desto mehr verstehe das auch.
ps: natürlich ist die werbung nicht nur wegen mao unmöglich, sondern generell. was soll das heißen- jede spermie ein potentieller massenmörder?

Montag, 13. April 2009

neuerlicher cctv-schwank...

heute morgen bei einer tasse pulver-kaffee im altbekannten propaganda-sender:

wie im vorfeld von olmypia auch bei uns berichtet, gibt es in beijing für bestimmte kennzeichen an festgelegten tagen ein fahrverbot. somit muss jeder autobesitzer einmal die woche seine dicke karre stehen lassen.der umwelt und damit der dunstglocke zuliebe.
hier wimmelt es vor nagelneuen, hochpreisigen pkws. wie in deutschland entwickelt sich das auto zum statussymbol. nicht zuletzt die deutsche industrie dürfte davon stark profitieren, so liegt zb VW im trend.
einmal die woche den öffentlichen nahverkehr oder das rad zu benutzen, halte ich für völlig zumutbar. warum auch nicht? im vorfeld der spiele wurde massiv in neue u-bahn-linien investiert, busse fahren in großer zahl. extrem günstig noch dazu. auch für die einheimischen, nicht nur nach euro-maßstäben. schneller kommt man mit dem auto im verkehrsstau schließlich auch nicht voran. und eng ist es hier überall. nicht nur in bussen,auch in shopping-malls und supermärkten

zu meiner großen erleichterung wurde diese regelung des fahrverbots, die freitag ausgelaufen wäre, um ein jahr verlängert. was sagt die gute frau, die im cctv-beitrag zu ihrer meinung befragt wurde? "die verlängerung halte ich für ganz in ordnung. einmal in der woche kann ich auch das taxi zur arbeit nehmen."
ja genau. da hat es jemand begriffen.

nachtrag zu den weißen pollen: der heftige pollenflug stammt von den weiden, mit denen man vor einigen jahren die stadt begrünen wollte, erzählt der chef. gewissermaßen eine fehlplanung, denn man griff auf die schnell wachsenden weiblichen weiden zurück. die wachsen aber nicht nur schnell, sondern bereiten allergikern in diesen tagen sicher die hölle auf erden.

foreign journalists! help me!

frohe restostern!
mein "osterwochenende" wurde mir durch das schon wieder nicht funktionierende internet in der wohnung etwas verdorben. eigentlich stand recherche für die bachelor-arbeit zum thema "weblogs" auf dem plan. ohne internet musste ich diesen plan fallen lassen und stattdessen shoppen gehen.
kein spaß bei den beijinger wetterkapriolen. abgesehen von der unglaublichen dunstglocke, die schon wieder über der stadt hängt, kommen nun noch wolken von pollen hinzu. ich dachte ja erst, es würde schneien....



ganz so schlimm, wie es nun klingt, war das wochenende natürlich nicht. samstag stand eine amüsante kneipentour an. auf dem heimweg entdeckte ich dieses kleine stilleben:


woher soll man auch wissen, wozu die leere tonne dort rumsteht.

nachdem ich mir den sonntag mit einem buch und schwimmen vertrieben hatte, fuhr ich zum abendessen in die stadt. wo ich dann reingetreten bin- das kann ich noch nicht abschätzen. ich lief gegen 20h müde und mit zwei einkaufstüten (hübsche t-shirts gibt es hier!) an einem kleinen schreibwaren und fake-dvd-laden vorbei. und entdeckte den aushang im fenster. in großen roten lettern: foreign journalists! help me! kurzes abwägen- schließlich wurde dieser aushang sicher schon von anderen menschen entdeckt. möglichweise auch von menschen, die sich daran stören.

natürlich bin ich doch rein in den laden. mit meinen einkaufstüten sah ich schließlich aus, wie der potentielle fake-dvd käufer. erstmal umgeschaut und dann bei der dame hinter der kasse nach dem schild gefragt. irgendwann war ich von fünf familienmitgliedern umringt, von denen nur der kleine sohn etwas englisch konnte. mit einem chinesisch-englisch übersetzungscomputer wurde trotzdem konversation betrieben. und mir wurde ein zettel in die hand gedrückt, auf den sie den grund für ihren hilferuf noch einmal in schlechtem englisch formuliert hatten. ich habe zum handy gegriffen und einen der beiden deutschen kollegen, der recht fit in chinesisch ist, mit dem ladenbesitzer telefonieren lassen. so ganz klar ist mir die lage noch nicht. jedenfalls steckt meine langnase nun drin in der sache. vielleicht geb ich den fall auch einfach an die "investigative blogger-szene" weiter und starte mein eigenes kleines experiment in sachen bachelor-arbeit. kann also gut sein, dass wir uns schon bald wieder in deutschland sehen. ausweisung und so... :)
falls dieser blog nun zensiert wird, kann ich ja einfach wieder auf den alten ausweichen. der ist seit ein paar tagen wieder erreichbar. ich versteh's einfach nicht, das system.

Mittwoch, 8. April 2009

neuigkeiten...

gibt es nicht.
keine großen jedenfalls. der frühling ist nun auch in beijing angkommen und die stadt zeigt sich trotz obligatorischem grauschleier von ihrer farbigen seite:





sprechen wir doch einfach gleich vom sommer, denn eine stufe zwischen wintermantel und t-shirt gibt es in beijing nicht. der herbst soll demnach auch nicht existieren, auf sommer folgt winter. in china muss man klimamäßig ohnehin fast in jeder stadt mit anderem wetter rechnen, verteilt sich das riesige reich der mitte (27 mal größer als deutschland) doch über vier verschiedene klimazonen. während die temperaturen im norden im zweistelligen minusbereich liegen, ist im süden badewetter.

ein langes, entspanntes wochenende liegt hinter mir. mit einem erneuten besuch im 798art district:






samstag nacht gab es eine kleine meinungsverschiedenheit zwischen mir und dem taxifahrer, der mich kurzerhand einfach mal in einem verlassenen industriegebiet ausgesetzt hat. erfreulich, dass englische kraftausdrücke selbst bei chinesischen taxifahrern eindruck schinden.
sonntag ging es bei schönstem sonnenschein zu einem kleinen buddhistischen tempel mit angegliedertem museum, in dem restaurierte skulpturen aus gräbern und konfuzianischen tempeln zu sehen sind:




montag war ausgleichs-freier-tag für samstag, der eigentlich ein feiertag war. merkt man in beijing nur nichts von, läden haben 7 tage die woche auf und wuselig ist es immer, so auch am tag des totengedenkes. gedenkt man der verstorbenen eben in einer klimatisierten shopping-mall, einkaufen gehört ja zu den ganz großen hobbies in china.möglicherweise hat sich der inhalt meines schuhschranks ja am wochenende auch vermehrt. sehr wahrscheinlich sogar, die tür klemmt nämlich neuerdings.
ansonsten plätscheren die tage hier gerade sanft und angenehm vor sich hin. die nächte bergen sogar ansprechende überraschungen, denn beijing toppt hong kong in sachen musikalischer ausgehvielfalt um längen...und bald ist ja auch schon wieder wochenende. vielleicht sollte ich mir einfach einen hasenbraten gönnen, wenn ich schon kein oster-frei habe.

Freitag, 3. April 2009

olympia- und dann?

die nachnutzung des olympischen areals: was passiert eigentlich mit den riesigen anlagen, für die in schöner regelmäßigkeit millarden um millarden in den wind geschossen werden? davon hört man nie so wirklich was. bilanz: im vergleich mit athen (olympia 2004) und sydney (2000) steht beijing wirklich gut da.

im rahmen der recherche ist ein video entstanden. ich mag es natürlich mal wieder nicht. aber darum geht's ja hier in china auch gerade nicht, sondern um die zusammenarbeit, die gespräche und den kontakt zu den chinesischen kollegen.
bekanntlich bin ich kein tv-freund, sollte nicht vor die kamera, mein dialekt nicht aufs band und akkustikunterschiede gibts auch noch starke. die ausrüstung hier ist wesentlich simpler als die der meisten medien in deutschland, so gibt es kein studio zum einsprechen, sondern nur das kameramikro.
ABER: riesigen spaß gemacht hat das drehen dennoch. war es doch ein deutsch-chinesisch-englisches gemeinschaftsprojekt...






javine heißt das nette mädel auf den bildern. ihren abschluss macht sie gerade in filmwissenschaften hier in beijing. sie spricht englisch, aber kein deutsch. ich spreche englisch, aber kein chinesisch. daher war es an manchen stellen ein wirkliches kunststück- sie hatte keinen schimmer, was ich da so vor der kamera erzähle. ich hatte keine ahnung, was die touris, im dokumentALfilm!? praktischerweise 'touris' genannt, mir da erzählen. aber ich mag die chinesische selbstironie, die in allem steckt ;)
wir hatten keine drehgenehmigung, wurden natürlich angehalten und javine umschrieb die wahrheit einfach mal ein wenig und erzählte den securities was von einer übung für die uni. dass das ausgerechnet in china so leicht läuft, hätte ich vorher nie geglaubt. da ist ja die waterfront in bremen rigider.
die kollegen mögen das filmchen dafür umso mehr, soeben wurde ich um die englische übersetzung zur untertitelung für die englische website gebeten.

genug erklärt, hier das ergebnis. man beachte die texte.

eine gleichsam frustrierende, wie überraschende erkenntnis vom drehtag und den gesprächen mit javine: praktikanten werden in china genauso ausgebeutet wie in deutschland. denn auch in china ist der medienmarkt völlig überlaufen, weil jeder 'was mit medien machen will' und entsprechende studiengänge wie pilze aus dem boden spriessen.

Donnerstag, 2. April 2009

meine neuen freunde....

es gibt einen neuen mann im leben. er ist 66 jahre, hat sich eigenständig englisch beigebracht und mir gestern morgen sogar einen apfel geschenkt. wir pflegen unsere freundschaft morgens im bus nummer 40, wenn wir gemeinsam an der haltestelle 'wulu' einsteigen.
es gibt auch eine ersatzmutter in meinem leben. ich nenne sie 'die busfrau'.ihr alter kenne ich nicht, aber seit gestern hat sie eine neue fesche frisur. meine zeichensprache ist mittlerweile so gut, das ich ihr sogar ein kompliment machen konnte. schon in der ersten woche hat sie mich liebevoll unter ihre fittiche genommen. steige ich nämlich aus der 40, begrüßt sie mich freudenstrahlend und bringt mich in position. bus 121 wird dann per fähnchen direkt vor meine füße gewunken- ihr job ist es, den verkehr an der haltestelle zu regeln- und ich werde von ihr zur tür gewiesen. und wehe, irgendwer drängelt dazwischen! wenn ich dann abfahre, ruft sie ein letztes 'bye bye', schwingt ihr fähnchen und winkt mit der anderen hand. erinnert mich an einen schulausflug in der 3. klasse. jeden morgen wieder.
und dann gibt es noch einen zweiten mann in meinem leben. er ist der kantinenkoch und ist der meinung, dass 'ich aussehe wie ein richtiger westler. so wie auf bildern.' in schöner regelmäßigkeit steht er in der mittagspause an meinem tisch. ein bisschen englisch kann er auch. stockt das gespräch, helfen die kollegen als dolmetscher weiter. der ein oder andere kennt ja mein faible für ausgefallene ringe. meine schmuckschatulle ist natürlich auch in beijing am start. daher ist mein fingerschmuck sein einstiegsthema. danach reden wir über das wetter.

Mittwoch, 1. April 2009

tief& tiefer...

ein tief hat ja jeder mal. gerade bei einem längeren auslandsaufenthalt. mein tief war gestern abend erreicht, verschwindet nun aber schon ganz langsam wieder.
ich habe es kommen sehen. der ursprung alles übels nennt sich `public heating` und bedeutet, dass die heizung vom 15. november bis 15. märz auf volldampf läuft, tag wie nacht. wer's kälter will, muss das fenster aufreißen. nach den wochenlangen gewissensbissen in sachen klima kehrte in den vergangenen tagen das große zittern ein. der frühling lässt sich bitten, omas wollsocken konnten irgendwann auch nicht mehr helfen und so habe ich nicht selten in den letzten tagen auf der arbeit eine runde über den flur gedreht, um die gänsehaut loszuwerden. von den nächten mit mütze und schal ganz zu schweigen.
womit wir beim nächsten punkt wären. der unglaublichen energie, die das leben in dieser stadt ob der langen wege und des rush-hour-verkehrs kostet. 21 uhr ist momentan meine einschlafzeit unter der woche, fühlt sich nach dem ausgiebigen bremer studentenleben falsch an ;)
unter verschupften nasen und pfeifenden lungen als nebenwirkung des public heating leiden anscheinend auch viele einheimische. was das tägliche leben nicht spaßiger macht. die gelben schleimauswürfe häufen sich nämlich ganz gewaltig und zum schluss kam selbst der mp3-player auf voller lautstärke nicht mehr gegen die geräuschvolle art des auswurfs an.
außerdem war ich wohl naiv zu glauben, dass ich nach über einem monat nicht mehr der zirkusaffe des viertels bin, noch immer hat man sich nicht ganz an meinen anblick gewöhnt.
wenn man dann noch von ca. 20 schülern niedergetrampelt wird, weil die
' lasst doch erstmal alle leute aus dem bus'-devise hier nicht ganz so den großen anklang findet und DANN noch das internet streikt, dann ist will man sich eben nur noch die decke über den kopf ziehen..
das internet streikte bezeichnenderweise auch noch an einer ganz merkwürdigen stelle.
sonntag abend habe ich mich im rahmen der bachelor-arbeit mit einem chinesischen blogger getroffen, der im land selbst zensiert wird. wer mal schauen will: doubleaf.com



es ging um seine motivation und natürlich um die angst vor der polizei, die schonmal mahnend angerufen hat. zur sprache kamen auch die drei verbotenen t's: tibet, tiananmen, taiwan.
einige dinge waren mir neu. der hinweis, dass die erste chinesische software zur umgehung der
'great firewall' von der falun gong entwickelt wurde zum beispiel. kaum zuhause, wollte ich dem nachgehen und dachte, ich sei schlauer als die zensoren. war ich nicht. jedenfalls die üblichen fehlermeldungen. (wer nicht weiß, warum die falun gong als staatsfeind gehandelt werden, soll sich des unzensierten netztes im heimatland erfreuen). mein internetzugang machte leider von da an schlapp und funktioniert erst wieder seit einigen stunden.
natürlich reine paranoia, aber das komische gefühl war da....an dieser stelle beende ich den seelen-striptease, bedanke mich für's lesen des trögen textes und gönne mir ein schoko-eis. nach hause möchte ich nämlich trotz allem noch lange nicht ;)

Dienstag, 31. März 2009

arbeiter in peking...

ich war begeistert, als der chef mir seine idee geschildert hat:
der 1. mai ist auch in china der tag der arbeit. wir wollen daher einige portraits aus der arbeitswelt bringen. den anfang sollte ich machen. zum einläuten des wochenendes ging es in einen massagesalon, mit der kollegin als dolmetscherin. während meine beine da verprüge...verzeihung, massiert wurden, durfte ich munter fragen stellen.
massagemeister chen guodong liebt seinen job.
nun fürchten in china ja gerade mehr als 20 millionen wanderarbeiter um ihre existenz. so disktutierte ich mit den beiden anderen deutschen, die im rahmen des programms hier sind, freitag abend beim bier. war es absicht von der redaktion, mich zu einem solchen positiv-beispiel zu bringen? ich hoffe und denke nicht.
p.s: wie ich gerade sehe, wurde der schluß wegredigiert. dieses platte ende war also so nicht angedacht.

Donnerstag, 26. März 2009

zum lachen vor die tür...

musste ich eben, als ich diesen text bei unseren gebäudenachbarn von 'china heute' entdeckt habe. über die kulturschocks einer chinesin in deutschland.etwas länger, macht aber großen spaß.

Dienstag, 24. März 2009

windschaden

ja, es war leicht windig heute. ich kann mich aber auch an wesentlich schlimmere tage erinnern, in denen der wind aus richtunng mongolei sich anfühlte, wie frisch geschliffene messerklingen.
an was ich da eben im dunkeln vorbeigelaufen bin, ich weiß nicht, ob ich darüber lachen kann, oder ob es mich eher ängstigen sollte....




das war der strommast, der quasi direkt unter meinem fenster, mitten auf dem hof, stand. jedenfalls heute morgen noch. ein durchschnittlicher strommast chinesischer bauart, unter so einem geht man pro tag dutzende male durch. wenn die leichte brise von heute schon reicht, ihn kippen zu lassen, dann achte ich wohl ab jetzt besser auf meine wegroute. ein auto oder ähnliches kann es kaum gewesen sein. im 5 meter- radius befindet sich nichts um diesen mast herum, da müsste sich schon jemand sehr ungünstig verfahren haben. aus einem merkwürdigen winkel noch dazu und mit einem geländewagen. die bruchstelle passt nicht zu motorhaube oder kofferraum eines normalen pkw.
eigentlich wollte ich morgen früh bei tageslicht den schaden fotographieren, habe es aber eben intuitiv im dunklen gemacht. kaum in der wohnung angekommen, höre ich ein merkwürdiges klopfen. es ist nach 20 uhr, es ist stockdunkel und dort stehen nun vier männer, ausgerüstet mit hämmern, um auf den umgekipppten strommast einzuschlagen. ein fünfter hält eine taschenlampe. keine baustellenlampe, eine taschenlampe. bin gespannt, wie das ganze morgen früh aussieht.

empty nesters

meine eltern haben mit chinesischen eltern etwas gemeinsam, nämlich ihr schicksal als 'empty nesters'.
1979 führte der nationale volkskongress die ein-kind-politik eín, um das rasante bevölkerungswachstum chinas zu stoppen. nach ansicht maos, der 1949 die vr china gründete und bis zu seinem tod 1976 regierte, maß sich die stärke einer nation an ihrer bevölkerungsgröße. so hatte in den 70ern eine frau in china noch bis zu 6 kinder. ausnahmen von der der ein-kind-regelung gab es schon immer. für ehepaare ethnischer minderheiten oder für die landbevölkerung. ist das erste kind einer bauernfamilie ein mädchen, so darf sie ein zweites kind bekommen. denn mädchen heiraten normalerweise und treten damit zur familie des mannes über. eine weitere ausnahme gibt es für ehepaare aus zwei einzelkindern, auch die dürfen zwei kinder bekommen. geld macht ohnehin weitere ausnahmen möglich.

neben den großen sozialen problemen, die diese politik allmählich mit sich bringt, dem männerüberschuss- mädchen wurden nicht selten abgetrieben oder getötet- und der überalterung der bevölkerung, bricht für die einzelkind-eltern oft die welt zusammen, verlässt der einzige sproß das elterliche nest.
sagt cctv, das heute morgen zur frühstückszeit einen anrührenden beitrag über 'empty nesters' brachte. diese sollen sich hobbies suchen, mal wieder vor die tür gehen und freundschaften zu anderen eltern schließen. der beitrag zeigte das vorbild eines vaters, der froh darüber ist, dass sein sohn für 3 jahre aus dem haus war.nun hat er sein studium beendet, kommt wieder zurück und der vater steht im zimmer des sohnes, staubt die bilderrahmen ab,ist in heller aufregung. dabei betont er aber, wie wichtig es für ihn sei, dass der sohn das haus verlassen habe. schließlich habe er so zu seinen alten hobbies wiedergefunden, alte freundschaften aufgefrischt und sich weiterentwickelt.

meine eltern fristen nun schon seit 4 jahren ein empty-nester-dasein. ich finde, es wird zeit, für ein dankeschön. gebe ich ihnen schließlich so die chance sich weiterzuentwicklen und ein eigenständiges leben mit hobbies und freizeit zu führen.

'bist du eigentlich einzelkind?' ist übrigens kein guter gesprächseinstieg in china.
die chinesische praktikantin der englischen 'beijing review' dachte ihren blicken nach zu urteilen jedenfalls, ich wolle sie verschaukeln. oute ich mich dann aber als einzelkind, sind die chinesischen symphatien ganz auf meiner seite....

Montag, 23. März 2009

798 art district

beim stichwort `kunst` in verbindung mit china kamen mir bisher eher kalligraphien, motive wie karpfen oder drachen, bronze und keramik in den kopf.

moderne skultpuren oder schreiende neonfarben als auseinandersetzung mit der geschichte des landes weniger. am äußersten ende der stadt befindet sich ein altes fabrikgelände, dass jede minute der langen anfahrt wert ist, die 798 art gallery. auf dem weitläufigen, auf den ersten blick verfallen wirkenden areal gibt es fast in jeder ecke eine andere gallerie, installation oder skulptur zu entdecken.
das publikum ist jung, die cafés gemütlich und so kann man sicher tage dort verbringen. impressionen meiner 5 stunden vom vergangenen samstag:










viele der künstler sprechen zu meiner freude englisch. schon in halle 2 kam ich mit julie ins gespräch, einer schmuckdesignerin aus beijing:

julie ist vergangene woche von ihrer europa-reise zurückgekehrt. und wo war sie? in vienna, paris& BREMEN! schnell klappte sie ihren laptop auf und präsentierte mir ihre bilder mit roland, rathaus und den stadtmusikanten. wie soll sich da kein heimweh einschleichen?
sie ist begeistert von stadt, architektur und luft dort. unterschreibe ich doch sofort.
über eine stunde saß ich mit ihr in ihrer gallerie und kurz darauf kamen wir auf ernsthaftere themen zu sprechen: julie zeigte mir bilder, die offensichtlich auf der straße lebende jugendliche zeigten und fragte nach einer erklärung dafür, so etwas kenne sie aus china nicht.
weiter ging es mit einer nicht minder schweren frage: warum berichtet ihr so schlecht und einseitig über china? eine frage, die auch die journalisten hier häufig stellen.
leider konnte ich beide fragen auf die schnelle nicht wirklich befriedigend beantworten. ein weiterer grund, bald wieder zum 798 zu fahren.