Donnerstag, 21. Mai 2009

umzug

der blog zieht zum dritten mal um und ich würde mich sehr freuen, wenn sich der ein- oder andere leser nochmal für die knallige farbgebung des altbewährten chinabuechleins erwärmen könnte.
unter der adresse http://chinabuechlein.blog.de geht es ab ab jetzt wieder weiter....

Sonntag, 17. Mai 2009

neue zensurwelle

die wege der chinesischen netz-nanny sind unergründlich. kurz nachdem ich freitag den letzten eintrag geschrieben habe, wurde der blogdienst blogspot.com- ein google-angebot- in china auf den index gesetzt. heißt: ich habe auf legalem wege keinen zugang mehr.
genau wie auf youtube, seit wochen zensiert. wikipedia ist tageweise zu, die webseite der bbc sowieso. diese liste ließe sich ins endlose weiterführen, täglich stoße ich mindestens 1,2mal auf unterbrochene verbindungen.

beklemmend. rund die hälfte meiner nachrichten-feeds funktionert ebenfalls nicht mehr, darunter deutsche medieblogs wie stefan niggemeier oder indiskretion ehrensache.
das sind sie wohl, die vorzeichen des nahenden 4. juni. ich würde gerne weiter bloggen, vor allem da es nächste woche schon ans koffer packen ud reisen geht. aber nochmal den server wechseln- mal sehen. in franzi habe ich ja meine persönliche hochlade-assistentin in deutschland. jedenfalls habe ich mich getäuscht. nicht die sprachbarriere ist ein problem für mich, sondern das gefühl der kontrolle und unfreiheit.

Freitag, 15. Mai 2009

beispiel: chinesische nachrichtenmeldung

eine typische nachricht, so wie sie in china publiziert wird. auch in staatlichen medien, die fremdsprachlich arbeiten, also in unserem verlag. meine derzeitige aufgabe besteht darin, solche meldungen bei bedarf als muttersprachlerin zu korrigieren. natürlich, ohne aussagen und inhalt zu verfälschen.
ich kommentiere sie aus gründen der fairness und des respekts den kollegen gegenüber nicht weiter, suche aber bei gelegenheit vielleicht noch 1,2 meldungen raus:

Wu Bangguo trifft Russlands Präsidenten
Der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Chinesischen Nationalen Volkskongresses, Wu Bangguo, ist am Mittwochnachmittag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedew zusammengetroffen. Die beiden Politiker haben eine weitere Vertiefung des gegenseitigen politischen Vertrauens, eine Verstärkung der Zusammenarbeit und die gemeinsame Bekämpfung der globalen Finanzkrise erörtert. Wu Bangguo sagte, China wolle mit Russland die Beziehungen intensivieren. Beide Länder sollten sich gegenseitige politisches Vertrauen entgegenbringen. Die pragmatische Kooperation bei Handel und Wirtschaft sowie im Bereich Energie werde ausgebaut. Nicht zuletzt sollten Dialog und Zusammenarbeit im Finanzbereich gefördert werden.

Medwedew erwiderte, Russland wolle ebenso mit China das politische Vertrauen vertiefen und die Zusammenarbeit bei Energie und Handel ausbauen. Zudem wolle sein Land mit China die Koordinierung in internationalen Angelegenheiten enger gestalten und die Beziehungen intensivieren.
Wu Bangguo dankte Russland für dessen Standpunkt zur Unterstützung Chinas in der Taiwan- und in der Tibet-Frage. Medwedew betonte, Russland werde nach wie vor an der Ein-China-Politik festhalten.
Am gleichen Tag traf Wu Bangguo mit dem Vorsitzenden des russischen Föderationsrats, Sergei Mironow, zu einem Gespräch zusammen. Zudem nahmen beide Politiker an der dritten Sitzung des Komitees für parlamentarische Kooperation beider Länder teil.

Mittwoch, 13. Mai 2009

hu yong...

...wechselte nach vielen jahren bei staatsmedien wie cctv und china daily an die peking university, wo er am institut für journalismus und kommunikation den journalistischen nachwuchs auf den alltag vorbereitet und nebenbei bloggt.
im letzten jahr wurde er von der blogosphere auf eine 17 personen umfassende liste derer gesetzt, die die zivilgesellschaft durch das netz stärken und als führende stimmen des chinesischen netzes gelten.
um seinen landsleuten das internet zu erklären, schrieb er "the internet is king", eine gebrauchs- und handlungsanweisung.
heute nachmmittag kam es endlich zu dem - ausnahmesweise-von langer hand geplanten interview.
Photo: HKU

aus dem kopf und ohne nochmaliges anhören des bandes:

der weg an die uni: nach vielen- oft frustrierenden jahren- fand er es an der zeit, platz zu machen für junge leute in den medien. ihnen das rüstzeug mitgeben zu können, dieser wunsch verschlug ihn an die uni. denn dort wird zensur und der umgang mit eben jener offen thematisiert. was aber nicht heißt, dass man tricks und kniffe auspackt, mit denen sich die "great firewall" umgehen lässt.
liegt eigentlich auf der hand, aber da man an der uni hong kong, formal chinesisches territorium, in einer der ersten stunden eine lektion über sicheren mailverkehr und proxy-server bekommt, wollte ich dennoch fragen.

seine studenten: neben vielen "mitläufern"- also solchen, denen eben kein besseres studienfach eingefallen ist- sind einige darunter, die durchaus nicht gedenken, später nur staats-pr zu betreiben.

das studium: unterscheidet sich von den modulen kaum von einem deutschen. praxis-übungen sind ebenfalls bestandteil.

weblogs: ohne sie würde die chinesische gesellschaft heute "totally different" aussehen. exakt die gleiche formulierung, die auch von den anderen beiden bloggern genutzt würde. laut hu wäre ohne sie eines nicht vorhanden im hier und jetzt, nämlich eine öffentliche meinung. " a public opinion would not exist".

anti drückt das noch rigoroser aus, denn für in gibt es keine "neuen" und "alten" medien hier. bevor es das internet gab, gab es ganz einfach keinen journalismus in china.

der einfluss der blogger: reicht bis auf in das blickfeld der regierung. worüber wahrscheinlich in deutschen medien nicht berichtet wurde: im märz hat sich staatschef hu jintao einer online-fragestunde in einem chat gestellt. ein großteil mag symbol-politik gewesen sein, denn es handelte sich wirklich nur um eine zeit-stunde und viel konnte daher nicht angesprochen werden. trotzdem wertet hu yong dies als gutes zeichen, denn wenn von ganz oben aus der führungsetage das zeichen kommt, ins netz zu gehen, werden auf kurz oder lang auch örtliche machthaber in den provinzen nachziehen und aus dem symbolischen akt wird ein ernstzunehmender.

angst: ist ein fester bestandteil der chinesischen gesellschaft.
bei der frage ging es um den mut, brisante themen im netz anzusprechen und schwups- war der böse schatten der unfreiheit wieder im raum.

journalisten: anti sagte es auch schon, hu bestätigt es. in china sind die besten blogger journalisten. und zwar aus dem naheliegensten punkt: für ihren arbeitgeber dürfen sie nicht, also tun sie es woanders, die "sensitive topic"- geschichten niederschreiben.
mein persönlicher eindruck: so sind nicht alle. nur die wenigsten. aber es ist gut zu wissen, dass es sie gibt.

was grundsätzlich und überhaupt verboten und ganz schlimm ist, fängt in china mit "t" an: tibet, taiwan, tianan`men. ich freue mich schon sehr auf den versuch, am 4. juni den tianan`men square zu betreten. der 20. jahrestag des massakers auf dem im deutschen als "platz des himmlischen friedens" bekannten geländes steht an. blogger spüren das nahen solcher brisanten ereignisse traditionell an der stärkeren zensur.
um die offizielle behörden-sprache zu sprechen ersetze man "massaker" einfach durch "zwischefall". klingt doch gleich viel harmonischer und nach besserer pr.

Montag, 11. Mai 2009

drumherum der kontraste...

woran merkt man, dass man in china ist?
genau, daran, dass nachts um 1.30 uhr ein LKW mit wanderarbeitern vorfährt, die dann ihre baustellenlampen auspacken und die nächsten zwei stunden den presslufthammer anwerfen. 50 meter neben den wohnhäusern.
oder daran: nichtsahnend liegt man auf der couch und plötzlich fallen schüsse. glaubt man, in wirklichkeit fallen nur die häuschen 500 meter weiter in sich zusammen und es war eine mini-sprengung.
entspannung ist nicht immer leicht zu finden. guter dinge habe ich nun mal etwas ganz profanes getan, nämlich meine nähere umgebung per fuß erkundet. und siehe da,auf der einen seite das paradies! ein park, den man park nennen kann. auch wenn das betreten des rasens verboten ist. und eine pagode, eine richtig schöne. jeden morgen fuhr ich bisher mit dem bus dran vorbei, jetzt mal in echt....

die pagode wurde 1576 zusammen mit einem tempel erbaut, der wurde aber kurz darauf während der qing-dynastie zerstört.


heimlich habe ich mich dann doch mit einem buch auf den rasen verzogen und den nachmittag auf diesem relativ ruhigen fleckchen beijings verbracht (5 großfamilien mit picknick-körben, einen chor und eine armee schreiender kleinkinder mit eltern ignorieren ist meine leichteste übung)...jedenfalls ärgere ich mich, dass ich nicht schon früher mal geschaut habe, wie dieser keine 10 gehminuten vom apartment entfernte park aussieht.

der eingeschlagene weg zum park war ebenso unbekanntes terrain. normalerweise nehme ich nur die hauptstraße bis zur bushaltestelle. diesmal bog ich links ab und ging durch gassen, die das entwicklungsland offenbaren.
kleine garküchen, viel schmutz, viel chaos.




am ende der straße ein strenger geruch. schon im eingang der halle überall fliegen. ich konnte es erst nicht glauben, aber es gibt sie auch in beijing selbst noch, diese fleischmärkte unter extrem miesen hygiene-bedingungen. in der olympia-gesäuberten hauptstadt in einer "ordentlichen" gegend hätte ich SO nicht damit gerechnet.
in der schummrigen halle hing alles getier, dass man sich nur denken kann. tot und halbiert natürlich, dazu aquarien voller fische, gedärme auf dem boden und eben gestank. nichts für vegetarier. natürlich konnte ich dort nicht so ganz unbemerkt rumlaufen und nicht mehr bilder machen. die marktleute schauten nicht so freundlich. wegen des gestanks konnte ich auch nicht lächeln.


unwirklich daran ist, dass gegenüber des fleischmarktes gerade eine wohnsiedlung frisch hochgezogen wurde, die gut betuchtes publikum locken soll.


auch meine hausnachbarn kaufen sicher nicht dort ein. diese völligen kontraste in meiner nähe habe ich über 2 monate übersehen. der erste spaziergang mit meinem in 10 tagen aufschlagenden deutschen besuch wird durch das "alte china" gleich nebenan führen.

Dienstag, 5. Mai 2009

gesangswettbewerb der jungendpartei

heute mal wieder die chinesische paradedisziplin spontanität auf sehr erfrischende weise:
" nach dem mittagessen ist ein gesangswettbewerb. möchtest du mitkommen?"
klar wollte ich. eine verlagsinterne veranstaltung zum tag der jugend am 4. mai (jahrestag der mai-bewegung 1919;erläuterung im blog weiter unten).

rund um diesen gedenktag finden in ganz china feste statt, bei denen die lieder von "damals" gesungen werden, sagte man mir.
die politiker des landes laufen zur hochform auf und so bestand mein vormittag darin, nachrichten zu redigieren, in denen staatschef hu jintao bei einem besuch einer agrar-universität dazu aufruft, den geist der revolution weiterzutragen und sich auch in die basiseinheiten einzubringen.
noch immer zucke ich gelegentlich. denn daran, dass eine nachricht aus 10 aneinandergereihten, grundsätzlich für china immer positiven zitaten besteht, gewöhne ich mich nur schwer. kein hinterfragen, wenig kontext. die sprache mal ganz außen vorgelassen....aber gerade dieses system wollte ich ja kennenlernen und wissen, wie es um das journalistische selbstverständis in china steht. bei staatsmedien begreift sich der großteil der journalisten als offizielle, daher entsprechen solche nachrichten ganz einfach der eigenen auffassung des berufes.

jedenfalls auch bei uns ein gesangswettbewerb. mit der kommunistischen jungendpartei als veranstalter.
obwohl ich nicht der einzige ausländer im haus bin, war ich der einzige im raum. dachte auch erst, man wolle mich "mobben", als das mädel am eingang meiner kollegin etwas in die hand drückte, mich sah und zurückzuckte. wollte man nicht, aber als nichtparteimitglied bekam ich nunmal keine partei-anstecknadel. in deutschland mag man gerne glauben, jeder sei in der KP, aus zwang. stimmt nicht, nur ein geringer prozentsatz. jetzt weiß ich- völlig wertfrei, denn gerade mit einem parteimitglied konnte ich eines der offensten gespräche hier führen-wer meiner kollegen es ist.
die veranstaltung an sich, ein spaß. los ging es mit der hymne der jugendpartei, für die ich natürlich auch aufstand. wenn ich mich auch zwang, mir weniger schöne gedanken zu machen um nicht zu lachen, denn es hatte als außenstehender schon was amüsantes, dass so was simples wie ein spaß-wettbewerb so offiziell beginnt.



weiter, ob in der gruppe...hier bei dem song "meine hoffnung ist die zukunft"...
...oder alleine mit gitarre (klang ein wenig wie seaside von den kooks, wenn der chinesische text nicht gewesen wäre)
super stimmung, ich begann auch bald mitzuwippen. plastikhände ließ ich allerdings nicht klappern.
zu einstimmung wurden liedtexte an die wand geworfen und die einzelnen redaktionen mussten gegeneinander antreten. meine kollegin übersetzte freundlicherweise ein wenig. vom titel her hätten auch deutsche schlager reingepasst. "der olivenbaum", irgendwas mit viel liebe und schmalz und ein lied mit udo-jürgens-melodie.
in china gibt es an jeder ecke karaoke-läden, eines der liebsten hobbies hier. merkte man der veranstaltung deutlich an, die karoake- routine. welcher deutsche chef würde sich- wohlgemerkt ohne vorherige hochprozentige stärkung- vor die kollegen stellen und ein liebeslied schmettern?

zwei stunden- arbeitsstunden!- dauerte der spaß. ein netter einblick.

Sonntag, 3. Mai 2009

beihai. oder: "ab in den park" auf chinesisch

im grunde wusste ich, was auf mich zukommt, aber man macht ja gerne den gleichen fehler nochmal.
ein sonniger samstag mittag und der vorsatz, nun endlich mal in den beihai-park zu gehen.
mein fehler war, ein buch einzupacken und zu glauben, park sei park. so schön deutsch mit ruhe,entspannen und im schatten auf dem rasen liegen.
in china gibt es ja nun aber mehr menschen, die alle das gleiche wollen.daher begann der ausflug an der kassenschlange, eine viertelstunde anstehen (viele parks in china kosten eintritt, was sie aber auch wert sind. so wollen die 68 hektar des beihai-parks mit seinem tempel und einer insel auch gepflegt werden).war ganz schön viel los in diesem park, der eigentlich aus einem see mit einem teerweg und bäumen drumherum besteht. entspannung fand trotzdem, wer es sich mit auf dem beton gemütlich machte. den rasen soll man nämlich laut schildern nicht betreten.
außerdem war gerade die bewässerungsanlage im vollen einsatz, die kinder hatten ihren spaß...

laut ist es in chinesischen parks. auf angenehme art, denn wie schonmal in qingdao beim letzten mal china, fand sich auch hier ein chor, der in einer verbogenen ecke probte. auch auf andere art, lauter chinesischer pop ist nicht so mein fall. das junge mädchen mit ihrer perfomance dazu schon eher.

im park wurde mir dann auch nochmal vor augen geführt, warum es unmöglich ist, hier eine sonnencreme in einer angemessenen packungsgröße zu finden
(30 ml= 2 mal nasenrücken eincremen für schlappe 6 euro): man trägt schirm.
ordinäre sonnenschirme, oder die feinere version. auf die suche nach dem hier werde ich bei gelegenheit mal gehen, das soll mein neuer werden:

das highlight des parks ist die weiße pagode, die auf einer insel im see thront und deren spitze auch in der innenstadt nochdeutlich zu sehen ist. der aufstieg war steil, die ausicht über beijing leicht vom smog getrübt, aber dennoch schön. die braunen dächer, direkt hinter den bäumen, sind die der verbotenen stadt am platz des himmlischen friedens, dem zentrum beijings.



















das ist die weiße pagode. und zusammen mit mir als ausländer war die natürlich ein unschlagbares fotomotiv. unter anderem bei diesem netten mädel ("welcome to beijing") erscheine ich nun im familienalbum....
















das mit dem buch und der entspannung wurde doch noch was, wie üblich in der nanluoguxiang. später am abend kamen, ebenfalls wie üblich, noch falk und markus hinzu zum "die chinesische arbeitswoche bei bier revue passieren lassen". falk ist derzeit bei der nachrichtenangentur xinhua, markus bei china daily. eine neue sonnenbrille habe ich übrigens erstanden. mir steht sie auch ganz sicher.

Mittwoch, 29. April 2009

mein lieblingshutong: nanluoguxiang

gerne hätte ich meinen sonntag nachmittag mit einem buch in einem der cafés dort verbracht. oder shoppend in einem der netten läden . ..(fiel alles leider aus, das wochenende hab ich mich allerlei krämpfen im bett verbracht).


ich bin jedenfalls oft dort, in der NANLUOGUXIANG und die recherche war die ideale gelegenheit, selbst während der arbeitszeit auf einer sonnigen dachterasse zu sitzen....



ein bisschen erstaunt war ich schon- an dem text wurde nichts verändert, gar nichts. kein wort. es gab aber auch kein feedback. gar nichts. kein wort. die beiden jungs erleben bei ihrem "medienbotschaften" da ganz andere szenen. merkwürdig.

Freitag, 24. April 2009

don`t be evil..



lautet bekanntlich firmenspruch des kalifornischen imperiums.

google verhält sich nach unseren vorstellungen allerdings ganz und gar nicht so harmlos, sondern mutet mit seinen welteroberungs-plänen wie der teufel in person an. wissen wir ja alle. sogar die elektronische postverkehr via gmail wird abgescannt und passend dazu die werbung platziert, ungeheuerlich, wo bleibt denn da der datenschutz& trallala.

nun musste ich gezwungermaßen schon an tag 2 in der redaktion einen
gmail-account
einrichten, was mir so gar nicht passte. aber im verlag wird eben gerne per google-chat kommuniziert, also legte ich mir die passende adresse zu und schrie innerlich auf, als ich die zu erwartende werbung erblickte.

um auf china zu kommen und damit einen kleinen szene aus den blogger-interviews aufzugreifen: ich saß ganz schön verduzt da, als mir beide blogger erzählten, dass sie so ziemlich alle google-tools nutzen, die es gibt. vom kalender, über den feed-reader hin zum mail-postfach. passt doch gar nicht, google ist doch der daten-teufel schlechthin und daten sammeln in china, das muss doch extra böse sein?

passt doch. michael anti hat mir die erklärung gegeben....
ich fragte ihn zum abschluss des gespräches, welche ethik er sich denn nun von westlichen firmen wünscht, die in china investieren.
zur erinnerung: microsoft sperrte seinen blog 2005, da er politische inhalte enthielt, die den zensoren sauer aufstoßen könnten. noch bevor die zensoren den inhalt entdeckt hatten- um die geschäftliche basis im wachsenden chinesischen markt bloß nicht zu gefährden.
weitaus schlimmer handelte yahoo im gleichen jahr. yahoo hat durch die weitergabe von daten den chinesischen journalisten shi tao ins gefängnis gebracht. shi tao wurde zu 10 jahren gefängnis verurteilt, weil er über sein yahoo-postfach eine mail mit den arbeitsanweisungen der regierung zum bevorstehenden jahrestag des massakers auf dem platz des himmlischeen friedens an ausländische journalisten weitergeleitet hatte. yahoo hatte also aktiv mit dem chinesischen staatsschutz kooperiert und die ip-adresse des online-dissidenten mal eben weitergereicht.

anti klärte nun darüber auf, warum microsoft, google& co in china trotzdem so beliebt sind, während man bei uns nichts mehr fürchtet als die werbung vom blumenhändler bei einer mail zum muttertag: es gibt einfach keine alternativen. wenn westliche kommunikationsfirmen sich ganz aus dem chinesischen markt zurückziehen würden, wäre das der gau für die chinesische bevölkerung.denn als alternativen blieben nur noch chinesische dienste wie die suchmaschine "baidu.com" oder chinesische mail-services.

"without them chinese civil society would be totally lost. because of the lack of resources. even if those companies compromise with the authority, chinese people can accept that. this are the only tools for liberal people. the chinese companies are much more worse than that."

unsere sorge vor personalisierter werbung im postfach wirkt gegen die sorgen der bevölkerung in ländern wie burma, nordkorea oder china wohl eher wie ein luxusproblem. aus reiner profitgier und sicher nicht aus gutmenschentum sind sie präsent, die westlichen firmen- und helfen damit sogar. ich vertrat bisher die meinung, dass moral und ethik höher hängen müssen, als der wunsch nach profit und kompromisse mit der regierung unverzeihlich sind. weil ich noch nie über die alternativen nachgedacht habe (das heißt nun aber nicht, dass ich auf einmal glaube, das kapitalismus die welt rettet! und meine krankenakte tippe ich auch sicher nicht bei google-docs ein. aber spezielle fälle erfordern ihre spezielle sichtweise.) kommt eben nur drauf an, von welchem rand des stäbchens man auf google& co blickt...um endlich mal erklären zu können, was diese sperrige blog-adresse soll :)

Donnerstag, 23. April 2009

michael anti

..war heute mittag zu einem interview für meine bachelor-arbeit bereit und führte mir gleich nochmal die chinesische spontanität in sachen planung vor.
angeschrieben habe ich ihn vorgestern. gestern morgen eine antwort. "glad to talk to you. just call me to set a time."
da hätte ich schon ahnen müssen, das die breiten ausführungen meinerseits- "ich bin noch bis ende mai in beijing, ende juni wieder für einige tage und hoffe, wir finden da einen passenden termin blabla" -überflüssig waren.
gestern abend um 22 uhr ein kurzes telefonat. sein terminvorschlag: "what about tomorrow,2 pm?"
es folgte eine nur kurze nacht, um die fragen nochmal zu checken. immerhin ist anti selbst journalist und frisch von einem stipendium in harvard zurückgekehrt, da will man ja im bilde sein. bei der beijing rundschau gab man mir den nachmittag frei.
michael anti (sein synonym, dass er seinem richtigen namen vorzieht) ist recht bekannt und sicher zu den einflussreichsten bloggern chinas zu zählen.
2005 machte er weltweit schlagzeilen, als er gegen die löschung seines politischen weblogs durch microsoft protestierte. microsoft hatte im vorauseilenden gehorsam der chinesischen regierung gegenüber gehandelt. der auslöser für eine debatte zur ethik westlicher firmen auf dem chinesischen markt. wie zu erwarten ein sehr spannendes gespräch. in deutschland war anti auch schon, als juror der deutsche welle blog-awards. witzigerweise fing er von sich aus damit an, dass in deutschland ja alles so durchgeplant sei und solch strikte zeitpläne schon lange im voraus existieren...und ich erwähnte stolz meinen detaillierten terminplaner bis ende des jahres und darüber hinaus :) sehr sympathisch war er, hat mich wirklich gefreut ihn kennzulernen.
interessiert sich eigentlich jemand für details aus dem gespräch (wie auch aus dem mit doubleaf vor einiger zeit)? kann das so schlecht einschätzen, ist doch mein lieblingsthema. jetzt aber textlastige zusammenfassungen zu schreiben, die dann keiner lesen will, mag ich auch nicht.
photo: Shizhao unter CC-Lizenz